IP ohne Kupfer: Internet über Fernseher

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Internet muss heute nicht mehr über die Telefonverbindung ins Haus kommen – die Zukunft von IP wird durch viele Kanäle geschleust. Lohnt sich aber der Umstieg beispielsweise auf Internet aus dem Fernsehkabel? Kabel Deutschland ist davon überzeugt und präsentierte in Frankfurt sein dortiges Zentrum. silicon.de war mit der Kamera dabei.

“Unsere vorrangige Zielgruppe sind Privathaushalte. Da sind wir bereits vor Ort, in diesem Segment verzeichnen wir auch enorme Wachstumsraten”, erklärte Dr. Andreas Siemen, Direktor Corporate Development von Kabel Deutschland. Aber auch kleine Unternehmen – Handwerker, Händler, Agenturen – sollen für das Angebot gewonnen werden. Gerade diese Kleinfirmen müssten von Preis/Leistungsverältnis des Internet- und VoiP-Angebots seines Arbeitgebers begeistert sein, so Siemen. “Wir wollen durchaus den Mittelstand mit Internet versorgen.”

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Dazu fehlt allerdings eine klare Strategie. “Wir haben kein spezielles Angebot an Unternehmen, sie müssen unsere Bedingungen wie Privatpersonen akzeptieren”, so Siemen. Auch plane man keine Ausweitung des Offerings etwa auf mittelständische Unternehmen. “Wenn wir uns die Schwierigkeiten der in diesem Bereich operierenden Telekommunikationsanbieter betrachten, wollen wir davon absehen.”

Das Hauptgeschäft von Kabel Deutschland ist also ohne Zweifel die Unterhaltung. Bis zu 100 digitale und frei empfangbare TV-Sender offeriert das Unternehmen über sein Kabel, plus rund 100 weiterer Angebote wie analoge Kanäle und Radioprogramme. Doch das eigentliche Wachstumssegment des Unternehmens sei dennoch das Internet-Angebot. “20 Prozent unserer Kunden wollen gar kein Fernsehen von uns, die entscheiden sich ausschließlich für IP und Telefon”, berichtete Siemen.

Für rund 30 Euro im Monat biete man Flatrates für Telefon und Internet. In der Regel entschieden sich die Kunden für ein Angebot mit einer Bandbreite von bis zu 20 MBit/s (“Paket Comfort”), man könne aber auch seit 4. September 32 MBit/s liefern (“Paket Delux” für 40 Euro im Monat). Für die Qualität bürge man: in diesem Jahr hat man genau wie 2006 den eco Award als bester Internet-Anbieter erhalten, genauso wie eine Auszeichnung für den besten Kundenservice vom Deutschen Institut für Service-Qualität (DISQ). Dass sich in den einschlägigen Internetforen dennoch viele unzufriedene Kunden äußern, verwundert nicht: Bei den Konkurrenten aus dem Telekom-Lager sieht es auch nicht anders aus.

Rein auf dem Papier hat das “IP over TV” also durchaus gute Chancen, die herkömmliche Telefonverbindung zu bedrängen: “Wer in Deutschland von Breitband spricht, meint in erster Linie DSL. Dabei hat er bereits eine weitaus leistungsfähigere Datenleitung im Haus liegen: Das Fernsehkabel”, sagte Lorenz Glatz, Chief Technology Officer bei Kabel Deutschland. Für Ihn liegen die Vorteile der Kabelinfrastruktur gegenüber DSL klar auf der Hand. In Großbritannien oder den USA müsse man dies niemandem mehr erklären, in Deutschland dagegen sei Internet aus der Fernsehdose noch etwas Exotisches.

Dabei sei die Bandbreite des Fernsehkabels das schlagende Argument: “Das Kabel ist eigentlich der Traum der Hardwarehersteller. Unsere Kunden benötigen nämlich vergleichsweise neue Rechner, um Downloadgeschwindigkeiten im dreistelligen Bereich, die über das TV-Kabel in Zukunft möglich sein werden, nutzen könnten. Alte Hardware wird damit zum Flaschenhals fürs Breitband-Internet”, so Glatz abschließend.