Linux-Verband: Irritation über Google

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Die deutsche Open-Source-Szene zeigte sich in den vergangenen Tagen schwer beeindruckt von Googles jüngstem Vorstoß mit Chrome. Der Browser sei unter anderem ein Lehrstück in der Anwendung des Open-Source-Entwicklungsmodells. Nun aber macht sich im deutschen Linux-Verband LIVE zunehmend Unbehagen über den Internet-Koloss breit.

In einer gestern veröffentlichten Erklärung teilt der Verband mit, dass man in Chrome einen “massiven Angriff auf die Dominanz des Microsoft Internet Explorer im Browser-Markt” sieht – was man natürlich begrüße. Da Google die Software im Chromium-Projekt unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht, erwarten sich die deutschen Linux-Aktivisten sinnvolle technische Neuerungen in Kürze auch in anderen Browsern. Darüber hinaus sei man froh, dass Google ein Kooperationsabkommen mit der Mozilla Foundation bis 2011 verlängert hat: Damit bleibe es bei jährlichen Zahlungen im hohen zweistelligen Millionenbereich an die Entwicklergemeinde von Firefox.

Elmar Geese, Vorsitzender von LIVE, nutzt zusätzlich die Gelegenheit, wieder mal den Erzfeind Microsoft abzuwatschen. Dieser habe noch immer nicht die Zeichen der Zeit erkannt und bekomme einfach kein Bein in den Internet-Markt. Google ist für Geese ein Fall von angewandter Betriebswirtschaftslehre, wie er in einer Mitteilung zum Start von Chrome erklärte: “Wer seine Produkte auf Basis von Open Source gestaltet, kann ohne Nutzungslizenzkosten auf ungeheure Werte zurückgreifen. Google schreibt keinen Browser, sondern passt einen Browser an, dessen Code sicherlich einen Wert von etlichen Millionen Dollar hat. Insofern zeigt sich hier wieder einmal die Schwäche rein proprietärer Entwicklungsmodelle.” Denn im Gegensatz zu Google müsse Microsoft alle Arbeiten mit inzwischen zahllosen Produkten allein schultern, “nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein organisatorisches und strategisches Problem”.

So weit so gut – es ist jedoch unschwer zu erkennen, wie schwer sich die Open-Source-Gemeinde mit anderen Praktiken von Google tut. In der gestrigen Pressemitteilung hat nämlich LIVE-Vorstand Geese erklärt: “Es ist erfreulich, dass die Vorstellung von Chrome auch die notwendige öffentliche Diskussion um den Schutz privater Daten weiter angeregt hat.”

Elf Tage zuvor erschein auf der Website des Linux-Verbands ein Beitrag des freien Journalisten, Open-Source-Protagonisten und silicon.de-Autors Ludger Schmitz, in dem sich weit kritischere Stimmen aus der deutschen Open-Source-Gemeinde finden. Offenbar ist die Pressemitteilung ein Minimalkonsens, während die Diskussion um Google unter den Open-Source-Engagierten noch zu keinem Ergebnis gekommen ist.