Datenschutzerklärungen kosten Milliarden

EnterpriseProjekteRegulierungService-ProviderSicherheit

Würden wir die Datenschutzerklärung jeder besuchten Webseite lesen, würde uns das pro Monat einen Arbeitstag kosten, rechnen zwei Forscherinnen der Carnegie Mellon University vor. Und sie gehen noch weiter. Den Wert der verbrauchten Zeit kalkulieren sie für die USA auf jährlich 652 Milliarden Dollar. Dass Nutzer in der Praxis auf die Lektüre verzichten, scheint also nur von Vorteil zu sein.

“Wir glauben nicht eine Sekunde daran, dass irgendjemand soviel Zeit damit verbringt, Datenschutzerklärungen zu lesen. Jeder, der sich die Zeit nimmt, eine Erklärung zu lesen, weiß, wie zeitraubend das ist und sagt ‘Nie mehr wieder!'”, sagt die Wissenschaftlerin Lorrie Faith Cranor. Sie hat die Studie gemeinsam mit der Forscherin Aleecia McDonald durchgeführt.

Für ihre Untersuchung haben sie den Zeitverbrauch von 93 Internetnutzern gemessen, der bei der Lektüre von Datenschutzerklärungen populärer Websites anfiel. Es ergab sich ein Durchschnitt von zehn Minuten. Den Wert der verbrauchten Zeit kalkulierten sie dann anhand der üblichen Kosten für Arbeits- und Freizeit und rechneten den Wert auf alle Internetnutzer in den USA hoch.

Dabei gingen sie davon aus, dass ein durchschnittlicher Internetnutzer pro Monat 119 verschiedene Webseiten benutzt. Rekordverdächtig war nach Angaben der Forscherinnen eine “populäre Webseite”, deren Datenschutzerklärung 7669 Wörter lang war – das entspricht in etwa 15 Seiten Text.

Kein Wunder also, dass viele Nutzer solche Erklärungen gleich komplett ignorieren. Daraus ergebe sich ein Domino-Effekt für das gesamte Thema Online-Sicherheit, warnt Cranor. “Viele Nutzer verstehen wahrscheinlich nicht einmal die Risiken, die es im Zusammenhang mit dem Datenschutz gibt.”