Kritiker zeigen Skepsis gegenüber Wikipedia-Buchversion

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Mit dem “Wikipedia Lexikon in einem Band” ist vor wenigen Wochen die weltweit erste Druckversion der populären Online-Enzyklopädie in Deutschland erschienen. Die Kritiker zeigten große Skepsis gegenüber einem Lexikon, dessen Einträge auf nutzergenerierten Inhalten basieren.

Das fast 1000 Seiten starke Nachschlagewerk, das vom Bertelsmann Lexikon Institut verlegt wird, umfasst mit rund 50.000 Begriffen und Stichwörtern die am häufigsten aufgerufenen deutschsprachigen Wikipedia-Artikel. Um die Ein-Band-Buchversion nicht zu sprengen, wurden die einzelnen Online-Einträge auf den ersten Absatz reduziert. Bertelsmann überarbeitete lückenhafte Beiträge und entfernte eindeutige Fehler. Im Vorwort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Eingriffe in die Texte der mehr als 90.000 Internetautoren sehr behutsam erfolgten.

Das blau-weiß gehaltene Druckwerk warf bereits vor dem Erscheinen einige Fragen auf. Der Sinn einer Wikipedia-Buchversion, die kostenpflichtig, weit weniger ausführlich als die Online-Ausgabe und naturgemäß nicht so aktuell ist, darf zumindest bezweifelt werden. Doch bei Wikimedia, dem fördernden Verein hinter der Online-Enzyklopädie, verfolgt man weder einen Komplettheitsanspruch, noch die Absicht, mit klassischen Printlexika in Konkurrenz zu treten. “Grundsätzlich ist es richtig, dass Menschen mit Internetzugang mit der Online-Ausgabe besser bedient sind. Allerdings machen diese noch nicht die gesamte Nutzerschaft aus”, meint Mathias Schindler, Vorstandsmitglied von Wikimedia Deutschland. Es gebe immer noch sehr viele Menschen, die gar nicht oder nur sehr sporadisch online sind. “Vor allem in den älteren Zielgruppen – obwohl Wikipedia auch dort beliebt ist – gibt es noch viele, die das Online-Lexikon gar nicht kennen”, so Schindler.

Auch wenn die Zielgruppen-Frage im Raum steht und sich diese nicht nur über die Generation 50plus beantworten lassen wird, damit das Druck-Projekt zum durchschlagenden Erfolg wird, so kann sich das Lexikon zumindest inhaltlich etwas von klassischen Nachschlagewerken abgrenzen. Denn erfasst sind aufgrund der Nutzerorientierung nicht nur im Bildungskanon etablierte Begriffe, sondern durchaus eine Reihe von pop- und jugendkulturellen Stichworten. So finden sich hier Einträge wie ‘Germany’s Next Topmodel’, ‘iPhone’ oder ‘Du bist Deutschland’, die der Alltagskultur entstammen und in traditionellen Nachschlagewerken nicht so einfach Platz finden würden.

Gleichzeitig ergibt sich aus diesem “jungen” Erscheinungsbild der gedruckten Wikipedia aber wiederum die Gefahr, dass die Inhalte bei den Offline- und älteren Zielgruppen auch weniger gefragt sein könnten. Zum Verkaufsstart zeigten sich laut Schindler aber bereits positive Anzeichen, die auf einen Erfolg des Projekts hoffen lassen. “Bei Amazon beispielsweise lag Wikipedia in der Rubrik ‘Lexika’ zwei Wochen auf dem ersten Platz. Auch die Verfügbarkeit und Präsentation in den Buchhandlungen ist gut”, so der Wikimedia-Vorstand. Darüber hinaus führt Bertelsmann das Lexikon in seinem Buchklub-Katalog, der eine breite Masse an Menschen erreicht, die sich auch aus Zielgruppen zusammensetzt, die keine typischen Internetnutzer sind. “Für uns als Wikimedia war die Umsetzung jedenfalls höchst interessant und es hat Spaß gemacht, das Projekt zu verwirklichen. Wir haben über die Zusammenarbeit mit Bertelsmann auch wichtige Rückmeldungen zu Wikipedia erhalten”, erklärt Schindler.