Hightech-Verbände fordern nationale Bildungsoffensive

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In der deutschen Wirtschaft gibt es aktuell rund 150.000 offene Stellen für Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler. Das geht aus einer Umfrage unter rund 1500 Unternehmen hervor, die der Branchenverband Bitkom und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) in Berlin vorgestellt haben.

Demnach sucht fast die Hälfte aller Unternehmen Mitarbeiter mit technischen Qualifikationen. “Nur ein Bruchteil der offenen Stellen kann tatsächlich besetzt werden”, sagte VDI-Präsident Bruno O. Braun. “Wir verlieren Milliarden an Wertschöpfung, weil wir uns in Deutschland nicht um die richtige, also marktgerechte Qualifikation des Nachwuchses kümmern.”

Vor dem Hintergrund des Fachkräfte- und Akademikermangels forderten die Vertreter der Hightech-Industrie eine nationale Bildungsoffensive. Als Beitrag zum nationalen Bildungsgipfel am 22. Oktober legten Bitkom und VDI ein Fünf-Punkte-Programm für die technische Bildung vor. “Das Bildungssystem ist heute nicht in der Lage, den Bedarf der Hightech-Industrie an hoch qualifizierten Fachkräften zu decken”, sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. “Die abflauende Konjunktur infolge der Finanzkrise wird den Expertenmangel kaum abschwächen, da er strukturelle Ursachen hat.”

Kern des Fünf-Punkte-Programms ist eine Erhöhung der Bildungsausgaben um rund 25 Milliarden Euro pro Jahr. Weitere Forderungen sind die Einführung von Technik- und Informatikunterricht als Pflichtfach in den Schulen, ein Stipendien-Programm für technische Studiengänge sowie der Aufbau eines Weiterbildungssystems an den Hochschulen. Für eine bessere Koordinierung der Bildungspolitik von Bund und Ländern mit der Wirtschaft schlagen die Verbände die Einberufung eines Nationalen Technik-Rates vor. “Beim Bildungsgipfel ist die Wirtschaft nicht vertreten”, sagte Scheer. “Wenn wir einen Durchbruch bei der Gestaltung einer zukunftsorientierten Bildungspolitik erzielen wollen, müssen die Vorschläge der Wirtschaft gehört werden.”

Mit einem Anteil der Bildungsausgaben in Höhe von 5,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegt Deutschland nach diesen Angaben im Vergleich der Industrienationen weit hinten. Der Durchschnitt der OECD-Länder beträgt 5,8 Prozent des BIP. Noch schlechter ist die Position Deutschlands bei den öffentlichen Bildungsausgaben, die mit einem BIP-Anteil von 4,2 Prozent weit hinter dem OECD-Durchschnitt von 5,0 Prozent liegen. “Besonders alarmierend ist der negative Trend”, sagte Scheer. “Während viele andere Industrieländer ihre Bildungsausgaben im Verhältnis zu ihrer Wirtschaftsleistung beständig erhöht haben, sinken sie in Deutschland seit Jahren.” Daher müsse der Anteil der Bildungsausgaben am BIP um einen Prozentpunkt auf 6,1 Prozent ansteigen. Das entspricht zusätzlichen Investitionen von rund 25 Milliarden Euro pro Jahr. Die zusätzlichen Mittel sollen allen Stufen des Bildungssystems von der frühkindlichen Bildung über die Schulen und Hochschulen bis zur Weiterbildung zugute kommen.

Lediglich Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt bieten zudem das Unterrichtsfach Technik an. Die Berufswahl von Schülerinnen und Schülern wird aber stark durch die Erfahrungen mit einzelnen Unterrichtsfächern beeinflusst. “Wenn Technik in der Schule nicht stattfindet, ist auch das Berufsbild weniger gefragt”, sagte Braun. Durchgehender Technik- und Informatikunterricht müsse daher zum Pflichtfach in der Grundschule und der Sekundarstufe I werden sowie verbindlich zum Kursangebot in der Oberstufe gehören. Die Unterrichtszeit in den Fächern Technik, Informatik, Mathematik und Naturwissenschaften sollte auf mindestens ein Drittel des gesamten Stundenvolumens ausgedehnt werden.