Wiesbaden: Treff der Anti-Spam-Experten

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Vom 27. bis zum 30. Oktober findet in Wiesbaden der sechste Anti-Spam-Kongress des eco-Verbandes der deutschen Internetwirtschaft statt. Rund 200 Teilnehmer aus 46 Ländern diskutieren aktuelle Trends und Lösungsansätze.

“Die Gespräche auf dem Kongress bringen zum Ausdruck, dass nur die weltweite Zusammenarbeit zwischen Strafverfolgungsbehörden, Internet Service Providern und der gesamten Internetwirtschaft wirklich Herr der Lage werden kann”, sagte Sven Karge, Fachbereichsleiter Content bei eco und Organisator des Kongresses.

Die größte Gefahrenquelle seien momentan Russland und Bereiche Osteuropas, Chinas und Brasiliens. “Die Täter wissen, dass es nicht ratsam ist, in den Ländern zu leben, die für sie die Hauptangriffsziele sind. Außerdem sind in diesen Staaten die Aktivitäten der Legislative und Exekutive noch nicht so ausgeprägt wie etwa in der Europäischen Union, so dass das Risiko, von diesen Standorten aus zu agieren, wesentlich geringer ist.”

“Aus 198 von insgesamt 203 Ländern mit einem eigenen IP-Adressbereich gehen Spam-Mails aus”, sagte Robert Rothe, Geschäftsführer des Sicherheitsanbieters eleven. “Dabei weisen nur zwölf Länder einen Spam-Level von unter 50 Prozent auf. In 90 Prozent der Staaten beträgt der Anteil von Spam-Mails durchschnittlich mehr als 70 Prozent.” Allein in Deutschland ist die Spam-Rate laut Rothe in den Jahren 2003 bis 2008 um mehr als 10.000 Prozent angestiegen. 2008 sei gegenüber dem vergangenen Jahr eine Erhöhung von über 100 Prozent zu verzeichnen.

Ein Beispiel dafür, wie unerwünschte E-Mails die Infrastruktur gefährden, liefert ein deutscher Großkonzern mit rund 100.000 Mitarbeitern, der zum Kundenkreis von eleven zählt. In diesem sind 98,7 Prozent der ankommenden E-Mails als Spam zu klassifizieren, 0,8 Prozent sind andere, ebenfalls nicht gewollte Nachrichten, lediglich 0,5 Prozent sind erwünscht. “Leider ist das kein Einzelfall und auch auf andere Betriebe zu übertragen”, so Rothe.

In Sachen Botnets wies Pat Peterson von IronPort darauf hin, dass sich die Täter zunehmend Opfer mit hoher Reputation aussuchen, um Verbraucher auf ihre eigene Webseite zu ziehen. “Es wird verstärkt auf das Vertrauen der Nutzer in bestimmte Unternehmen oder Organisationen gesetzt und dieses nutzen Täter schamlos aus”, sagte auch Tim Cranton vom Internet Safety Enforcement Team bei Microsoft.

Zudem werde mit der Neugier gespielt und dem Gefühl, “an bestimmten Angeboten könnte etwas dran sein.” Cranton spielte dabei auf so genannte Lottery-Scams an, in denen Nutzern vorgegaukelt wird, sie hätten etwas gewonnen. In einer Studie hat der Microsoft ermittelt, dass einer von 44 Internetnutzern schon auf eine solche Offerte hereingefallen ist.