SAP in der Zwickmühle

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Software as a Service (SaaS) hat SAP in eine Zwickmühle gebracht, aus der sich das Unternehmen mit einem Szenario des ‘sowohl als auch’ zu befreien versucht. Das zeigte der jüngste Auftritt von SAP-Co-Chef Léo Apotheker in New York.

SAP bietet seit dem Herbst 2007 die ERP-as-a-Service-Lösung BusinessByDesign an. Die Anwendung wurde mit großem Tam-Tam eingeführt. Im März 2008 kündigten hochrangige SAP-Manager gegenüber silicon.de an, dass man dieses Jahr noch 1000 Neukunden für BusinessByDesign gewinne wolle.

Ein halbes Jahr später gab sich SAP wesentlich kleinlauter. In der Keynote von Léo Apotheker zur ‘SAP TechEd 2008’ (14. bis 16. Oktober in Berlin) tauchte das Produkt nur als Fußnote in einem Slide auf. Fragen nach BusinessByDesign bürstete der SAP-Co-CEO beinahe barsch ab. Man liefere das On-Demand-Produkt “in einer kontrollierten Umgebung” an “gezielte Kunden” aus. Mehr gebe es da nicht zu sagen.

Fotogalerie: Die SAP TechEd 2008 in Berlin

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Anfang November räumte SAP-CTO Vishal Sikka dann gegenüber silicon.de Probleme mit BusinessByDesign ein. Man habe unterschätzt, was es bedeute, ein Angebot zu entwickeln, das allen geschäftlichen Anforderungen entspricht. “Der Knackpunkt ist, dass die Lösung sämtliche Funktionen eines mittelständischen Unternehmens abdecken muss.”

Auch Apotheker gab sich jetzt auf einer Pressekonferenz in New York offenherziger – und zeigte gleichzeitig, wie schwer SAP das Thema SaaS im Magen liegt. SAP habe die Version 2.0 von BusinessByDesign fertiggestellt, sagte Apotheker nach Angaben des Branchendienstes Informationweek.

“Das ist die coolste Anwendung, die jemals geschrieben wurde.” Das Problem sei jedoch, dass der Zeitpunkt schlecht sei, um viel in Vermarktung von Business ByDesign zu investieren. “Das würde sowohl unsere Marge als auch unseren Aktienkurs schmälern.”

Apotheker ging in diesem Zusammenhang auf die Finanzkrise ein. Viele SAP-Kunden hätten Probleme, ihr Geschäft zu refinanzieren. Das schränke die Fähigkeit der Kunden ein, Software zu kaufen. Seitdem SAP Ende Oktober das Sinken der Lizenzverkäufe öffentlich gemacht habe, sei die Situation jedoch nicht schlimmer geworden.

Die Unternehmenskultur von SAP ermögliche es, erfolgreiche SaaS-Produkte und Cloud-Computing-Lösungen zu entwickeln. “BusinessByDesign wurde mit deutscher Sorgfalt programmiert, um in einer Silicon Valley Cloud laufen zu können.”