Lycos Europe macht dicht

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Vorstand und Aufsichtsrat des defizitären Internet-Dienstleisters Lycos Europe haben beschlossen, das Domain- und Shoppinggeschäft sowie das dänische Portal zu veräußern – sofern ein angemessener Preis erzielbar ist.

Mit diesen Aktivitäten generiert das Unternehmen eigenen Angaben zufolge etwa zwei Drittel seines gesamten Umsatzes. Das unprofitable Webhosting- und Portalgeschäft (inklusive Sales) soll hingegen eingestellt werden.

Grundlage für die Entscheidungen war laut Lycos eine Prüfung der Konzernstrategie. “Diese Analyse hat ergeben, dass ein vollständiger Verkauf des Unternehmens keine vertretbaren Perspektiven bietet”, sagte Christoph Mohn, Vorstandsvorsitzender von Lycos Europe. Die negative Entwicklung am Kapitalmarkt habe zudem gegen einen Verkauf gesprochen.

Um das Vermögen bestmöglich zu sichern, sei der Vorstand verpflichtet, Teile des Geschäfts zu schließen und andere zu verkaufen, so Mohn. “Die Analyse der Zukunftsperspektiven von Lycos Europe war notwendig, weil es trotz umfassender Restrukturierungsmaßnahmen nicht möglich war, mit dem bestehenden Geschäft auf absehbare Zeit profitabel zu werden.”

Rund 500 der insgesamt 700 Mitarbeiter werden nach Angaben des Unternehmens durch die beschlossenen Maßnahmen ihren Arbeitsplatz verlieren. In der deutschen Tochtergesellschaft Lycos Europe GmbH in Gütersloh sind allein 230 Beschäftigte betroffen. “Das Management bedauert diese schmerzliche Entscheidung sehr”, betonte Mohn. Lycos werde die Mitarbeiter bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützen.

Die angekündigte Restrukturierung steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung, die am 12. Dezember in Amsterdam stattfindet. Lycos beabsichtigt, aus verbliebenen liquiden Mitteln noch dieses Jahr 50 Millionen Euro an die Aktionäre auszuzahlen. Über die weitere Vorgehensweise soll nach der Abwicklung entschieden werden.

“Obwohl Lycos Europe – gemessen an der Reichweite – zwischenzeitlich größtes europäisches Internetportal war, ist es uns nicht gelungen, unsere Geschäftsmodelle in steigendem Maße zu monetarisieren”, sagte Mohn. Er bedaure diese Entwicklung sehr, “da von den Konsequenzen sowohl Mitarbeiter als auch Aktionäre negativ betroffen sind”.