Generation Google lernt nichts mehr auswendig

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Das althergebrachte Auswendiglernen von trockenen Fakten und Zahlen ist für die meisten Schüler heute nur noch reine Zeitverschwendung. Google, Wikipedia und Online-Bibliotheken machen jegliche Informationen per Mausklick zugänglich und das klassische Büffeln damit oft überflüssig. Für stures Auswendiglernen sei heute kein sinnvoller Platz mehr in den Schulen, meint Don Tapscott.

Der Autor des Buches “Wikinomics” gilt als Vorreiter der Internet-Generation. Es sei viel besser, den Kindern kreatives Denken beizubringen, sodass diese lernen können, wie mit den Informationen aus dem Netz richtig umzugehen ist. “Lehrer sind nicht mehr die Quelle allen Wissens, sondern das Internet”, meinte Tapscott. Kinder sollten über Geschichte Bescheid wissen, müssten aber nicht jedes einzelne Datum parat haben. Mit einer Basis an Grundwissen sei es für die junge Generation jederzeit möglich, die restlichen Fakten zu googeln.

Lehrer betrachten die Thematik allerdings etwas anders. “Die Physiologie und Psychologie der Lern- bzw. Gehirnvorgänge ändert sich nicht durch das Internet. Das Netz mag zum Recherchieren interessant sein. Dies zu nutzen, dazu muss man Schüler erziehen”, sagt Josef Kraus, Präsident des deutschen Lehrerverband. Man müsse sie aber auch dazu erziehen, zu erkennen, dass das Internet zu 90 Prozent Unsinn biete. “Auswendiglernen wird nicht überflüssig, man denke nur an Fremdsprachen”, ergänzt Kraus. Wer kein Vorratswissen habe, sei nicht kommunikationsfähig und auch nicht politisch mündig. “Wer nicht mitreden kann, weil er vorher erst alles downloaden muss, ist verführbar für jede Propaganda und Lüge, die ihm aufgetischt wird”, so Kraus.

Tapscott seinerseits verwehrte sich gegen die Kritik, sein Zugang zu Wissen entspreche einer “Anti-Lern-Haltung”, berichtete Times Online. Die Fähigkeit, neue Sachen zu lernen, sei heute wichtiger denn je. Er ergänzte aber, dass “Kinder ihr Grundwissen heute laufend erneuern müssen” und das Auswendiglernen von Fakten und Zahlen nur Zeitverschwendung sei. Der Autor vertrat außerdem die Meinung, dass das Unterrichtsmodell, das derzeit hauptsächlich in den Schulen vorherrscht, für das Industriezeitalter konzipiert war. “Das mag gut für eine Massenproduktionswirtschaft gewesen sein, aber es bringt nichts für die Herausforderungen der digitalen Wirtschaft”, so Tapscott. Ganz anders als Lehrerverbands-Präsident Kraus geht der Autor davon aus, dass die Gehirnvorgänge der jungen Leute heute anders als jene der Elterngeneration ablaufen. Die digitale Realität, in der Kinder gleichzeitig SMS verschicken, im Web surfen und MP3s hören, könne ihnen auch dabei helfen, kritische Denkweisen zu entwickeln, glaubt Tapscott.