“Krise erhöht die Betrugsgefahr”

EnterpriseManagementProjekteRegulierungSoftwareSoftware-Hersteller

Das kanadische Software-Unternehmen ACL Services ist vielen Anwendern zwar kein Begriff, stellt aber dennoch wichtige Produkte her. ACL Services bietet Programme für die Wirtschaftsprüfung an.

Diese Revision gewinnt gerade in Zeiten klammer Kassen an Bedeutung. So setzt Siemens seit dem Sommer großflächig ACL-Lösungen ein, um Finanztransaktionen zu kontrollieren. silicon.de hat mit Harald Will, CEO von ACL Services, über Fragen der internen Revision, die Finanzkrise und Kontrolllücken in ERP- und BI-Software gesprochen.

silicon.de: ACL bietet Software an, mit denen Unternehmen Finanzabläufe permanent prüfen können, also nicht nur während einer Revision. Geht diese Kontrolle nicht zu Lasten der Flexibilität?

Harald Will: Es ist gar nicht so einfach, die richtige Balance an Kontrolle zu finden. Zu wenige Kontrollen können hohe Risiken und begrenzte Einblicke in Vorgänge bedeuten – zu viele Kontrollen wirken sich schädlich auf die Leistung aus. Firmen müssen daher das Gleichgewicht zwischen den Kontrollen und der Unternehmensentwicklung finden und auch beibehalten.

Wir haben unsere Buchprüfungs- und Kontrolltechnologie mit Blick auf eine hohe Flexibilität entwickelt. Parameter lassen sich beispielsweise so anpassen, dass nur bedeutende Ausnahmen hervorgehoben werden. Wie häufig diese Ausnahmen vorkommen und in welcher monetären Höhe, wird in jedem Kontrollvorgang zusammengefasst.

Das Management erhält damit einen Einblick in die Risiken jedes Bereichs. Dies erlaubt ihm, sich auf die wichtigsten Risiko-Indikatoren zu konzentrieren. Das Monitoring und die Prüfung der internen Kontrollen liefern zudem Informationen an das Management und die interne Buchprüfung. Beide können die Risiken und die Zuverlässigkeit der internen Kontrollen besser einschätzen.

silicon.de: Welche Risiken kann die Software beispielsweise erkennen?

Harald Will: Die Prüfung funktioniert in allen Abteilungen, in denen großen Datenvolumina analysiert werden müssen. Innerhalb des Purchase-to-Pay-Zyklus können wir Fälle identifizieren, bei denen der Käufer in betrügerischer Absicht Zahlungen an einen Firmenmitarbeiter leistete. Außerdem lassen sich doppelt geleistete Zahlungen identifizieren. Auf der Umsatzseite erkennen die ACL-Lösungen inkorrekte Zahlungsberechnungen.

Harald Will
Will: “Lücken in ERP- und BI-Systemen”
Foto: ACL Services