Qimonda: Trauer, Wut und Hoffnung

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Der Speicherchip-Hersteller Qimonda hat Insolvenz beantragt. Die einen haben das Unternehmen bereits abgeschrieben, andere hoffen noch auf die Rettung. Tausende Qimonda-Mitarbeiter machen eine emotionale Berg- und Talfahrt durch.

“Die Verzweiflung in der Belegschaft ist groß”, sagte ein Qimonda-Betriebsrat. Viele Mitarbeiter kamen am vergangenen Wochenende ins Büro, um mit anzupacken. “Wir müssen sicherstellen, dass Spediteure weiter an- und abliefern und wir die Produktion am Montag wieder aufnehmen können”, sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Michael Jaffé der Süddeutschen Zeitung.

Am 26. Januar informiert Jaffé die Belegschaft in München darüber, wie es weitergeht. Die Dresdner Mitarbeiter sind einen Tag später dran. Innerhalb der kommenden drei Monate muss Jaffé ein Restrukturierungskonzept vorlegen. Nach Angaben des Mitteldeutschen Rundfunks verschafft sich der Insolvenzverwalter im Moment einen Überblick über die wirtschaftliche Situation von Qimonda. Davon hänge auch ab, ob das Unternehmen seine Produktion fortführen könne.

Zudem verhandele Jaffé mit der Bundesagentur für Arbeit über die Gründung einer Auffanggesellschaft. Priorität hätten zunächst jedoch die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes für die Belegschaft sowie die Fortführung der Produktion. In der kommenden Woche seien Gespräche mit der sächsischen Landesregierung geplant.

Diese wollte Qimonda offiziell noch nicht aufgeben. Die Insolvenz sei nicht das Ende des Unternehmens, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) der Sächsischen Zeitung. “Die Staatsregierung wird alles tun, um einen künftigen Investor zu unterstützen. Unser Hilfsangebot steht unverändert.”

Während tausende Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze bangen, streiten Manager, Politiker und Wissenschaftler um die Schuldfrage. Er glaube, dass die Insolvenz vermeidbar gewesen sei, sagte ein hochrangiger Qimonda-Manager der Welt am Sonntag. In dieser Lesart hat die Politik den schwarzen Peter, weil sie keine zusätzliche Bürgschaft über 200 Millionen Euro übernehmen wollte.

Auch Portugal hat der Bundesregierung und dem Freistaat Sachsen vorgeworfen, nicht genug getan zu haben. Qimonda betreibt in Porto ein Werk mit 2000 Beschäftigten. Man habe alles versucht, “die anderen Parteien haben dies aber leider nicht mit demselben Nachdruck getan”, so Portugals Wirtschaftsminister Manuel Pinho. Die Regierung werde das portugiesische Qimonda-Werk jedoch nicht im Stich lassen.

Auch die Europäische Union geriet ins Visier. “Die EU hätte mehr Druck machen müssen, damit die Subventionsflut in Asien gestoppt wird, eventuell mit Hilfe der WTO“, sagte Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, der Berliner Zeitung. “Unter Umständen hätte man auch Strafzölle auf die unter verzerrten Bedingungen hergestellten Chips erheben können.”