Ist Nokia ein Erpresser?

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Der weltgrößte Handyhersteller hat angeblich die finnische Regierung unter Druck gesetzt. Nach einem Medienbericht soll Nokia auch mit dem Abzug aus Finnland gedroht haben. Nokia und die Regierung haben dies dementiert.

Nokias ramponiertes Image könnte weitere Risse bekommen. Vor einem Jahr hatten sich viele deutsche Kunden von Nokia abgewendet, weil das Unternehmen sein Bochumer Werk nach Rumänien verlagerte. Das Bochumer Werk hatte eine Rendite von 15 Prozent erwirtschaftet – während Nokia eine Rendite von 17 Prozent anstrebt.

Jetzt sorgte ein Bericht der finnischen Zeitung Helsingin Sanomat für Aufsehen. Demnach steht Nokia hinter der Neuregelung des Informationsschutzgesetzes für elektronische Daten, die das finnische Parlament in den kommenden Wochen verabschieden könnte.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa räumte das Gesetz Arbeitgebern und Vermietern das Recht ein, den E-Mail-Verkehr in eigenen Netzen zu überwachen. Die Inhalte dürfen nicht eingesehen werden – Absender, Adressat, Sendezeiten und Anhänge dürfen jedoch überprüft werden.

Laut Helsingin Sanomat bemüht sich Nokia seit dem Jahr 2005, entsprechende Bestimmungen auf den Weg zu bringen. Ein Nokia-Mitarbeiter habe damals per E-Mail vermutlich Konstruktionsgeheimnisse an den chinesischen Konkurrenten Huawei verraten. Nokia habe den Verdacht nicht auf legale Weise überprüfen können und deshalb mit massiver Lobbyarbeit für neue Kontrollrechte des Arbeitgebers begonnen.

Falls die Regierung nicht zustimme, habe Nokia mit der Abwanderung des Unternehmens gedroht, hieß es. Die Regierung habe mit Blick auf den drohenden Verlust von 16.000 Arbeitsplätzen sowie Steuereinnahmen von jährlich 1,3 Milliarden Euro die gewünschte Gesetzesinitiative eingeleitet.