Rechnen auf der Wolke

Enterprise

Was soll man denn jetzt anfangen mit dieser Cloud? Omnipräsent ist sie – auf Powerpoint-Folien. Aber keiner braucht sie fürs Computing.

Legacy-Technologien wie Mikrofiches und CDs reichen schließlich aus, um sich Daten klauen zu lassen. Dazu benötigt nun wirklich niemand auch noch eine Rechenwolke.

Vielleicht aber könnte man die wolkigen Begriffe, die derzeit die Öffentlichkeit umtreiben, in die Cloud geben. Dann ließen sich die einmal exakt quantifizieren.

Die CeBIT beispielsweise. Die war heuer ja wieder mal ein Riesenerfolg.

Der ungebildete Laie mag das eventuell nicht einsehen und auf den Rückgang der Ausstellerzahl um ein Viertel und auf jenen bei den Besuchern um ein Fünftel verweisen. Aber der Laie kann halt nicht richtig rechnen.

Der Messegeschäftsführer Ernst Raue hingegen schon. “Wenn wir die wesentlichen Parameter betrachten, erreicht die CeBIT 2009 das hohe Niveau des vergangenen Jahres”, erklärte der auf der Abschlusspressekonferenz am Sonntag.

Wie kommt der bloß auf sowas? mag mancher sich da fragen. – Ganz einfach, das Genie hat den bis dato geheimen Success-Koeffizienten für High-Tech-Veranstaltungen bestimmt.

Der dafür nötige Algorithmus geht so: Zwar sind so viele Besucher weggeblieben, wie eine Großstadt Einwohner hat. Aber, prozentual gesehen, ist die Ausstellerzahl noch viel stärker gesunken. Ergo kamen mehr Besucher pro Aussteller als im Vorjahr.

Eine absolut professionelle Kalkulation mit Relativismen! Leistungsträger können das im Kopf. – Das ist der Ort, wo bei Losern wie unsereinem kaum mehr Platz findet als der gesunde Menschenverstand.

Zu einer geradezu klassischen Aufgabe fürs Cloud Computing nun könnte die infinitesimale Relativismen-Rechnung werden. Für deren Source Code ist die Sprache von Dieter Bohlen angebracht. Also: Wann ist eine Computermesse denn nun wirklich ein Super-Mega-Erfolg? Wenn die Zahlen so im Keller sind wie bei der Systems im letzten Jahr? Oder erst dann, wenn gar niemand mehr ausstellt?

Eine andere Task für die Wolke könnte es sein, die Verelendung der deutschen Fachärzteschaft genau zu beziffern. Selbst die bayerischen Betriebskrankenkassen müssen ja einräumen, dass der Elite der hiesigen Barfußmediziner nach Abzug der Praxiskosten im Jahr 2007 lediglich 131.000 Euro übrigblieben.

Das Statistische Bundesamt sagt, 120.000 Euro verdiene ein niedergelassener Fach- oder Hausarzt durchschnittlich. Und die OECD hat ausgerechnet, dass dieses Einkommen gerade mal beim 3,3-fachen eines Durchschnittsverdieners liegt. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass diese Woche Hungerrevolten die Gegend rund um den Starnberger See erschüttert haben. Dort ist schließlich die Arztdichte am höchsten.

Wieviel Geld brauchen eigentlich die Doktor-med.s, damit diese Not ein Ende hat und sie nicht mehr gar so herzzerreißend jammern müssen? – Ein idealer Job für die Computing-Cloud. Solche hohen Beträge kann man schließlich nicht mit dem Abakus berechnen.

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