Microsofts Lobby-Arbeit gegen Google

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In Brüssel weht Google ein zunehmend scharfer Wind ins Gesicht. Es geht um die Marktmacht des Internetkonzerns und um Googles Umgang mit Nutzerdaten. Angeführt wird der Widerstand von der ‘Initiative for a Competitive Online Marketplace’ (ICOMP). Einziges zahlendes Mitglied der ICOMP laut Financial Times Deutschland: Microsoft.

Auf diese Weise versuche der Software-Konzern die Kritik an Googles Umgang mit Nutzerdaten zu verstärken, um Internet-Nutzer und Politiker zu beeinflussen, so das Blatt. Das heißt: Ausgerechnet Wiederholungstäter Microsoft versucht mit gezielter Lobby-Arbeit in Brüssel die Datenschutzbedenken gegen Google zu verstärken.

Datenschützer beklagen schon lange Googles Umgang mit Nutzerinformationen. Zwei Entwicklungen der jüngsten Zeit gaben den Kritikern neue Nahrung. Durch den Kauf des Werbevermittlers Doubleklick könne sich die Kontrolle über Kundendaten erweitern, so ihre Sorge. Zudem will Google fortan das Surfverhalten seiner Nutzer analysieren, um sie zielgerichtet mit Werbung zu umgarnen. Auch das stößt auf Bedenken – nicht zuletzt in Brüssel.

Derzeit prüft die EU-Kommission, ob sie ihren Online-TV-Kanal EUtube weiterhin via YouTube betreibt, weil beim Videoportal Cookies länger gespeichert werden, als die EU das gern hätte. Microsofts Strategie scheint nun zu sein, solche und ähnliche Kritik mit allen Mitteln zu verstärken, um so Googles Geschäftsmodell zu untergraben.

Bei den Wettbewerbshütern stößt Microsofts Lobby-Arbeit in Sachen Datenschutz auch auf Befremden. “Wir können ihnen nicht verbieten, so eine Konferenz zu veranstalten”, sagte der Datenschutzbeauftragte der EU-Kommission Philippe Renaudière. “Aber wir wissen alle, dass Microsoft Probleme mit den Regeln des Wettbewerbs hat.”