Bitkom gegen EU-Preisdiktat bei Handy-Gesprächen im Ausland

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Die Preise für das Telefonieren im Ausland sind in den letzten Jahren stark gesunken. Dazu haben spezielle Reise-Angebote vieler Netzbetreiber und eine EU-Regelung beigetragen. Abgehende Anrufe im Ausland dürfen aktuell höchstens 55 Cent pro Minute inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer kosten, ankommende Gespräche maximal 26 Cent. Voraussichtlich ab dem 1. Juli 2009 gelten noch niedrigere Preisgrenzen: Dann dürfen abgehende Anrufe maximal 51 Cent kosten, ankommende Gespräche bis zu 23 Cent inklusive Mehrwertsteuer.

Künftig greift die EU auch beim SMS- und Daten-Roaming ein. Nach einem Beschluss des EU-Parlaments dürfen im Ausland verschickte SMS ab dem 1. Juli nur noch 13 Cent inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer kosten. Das ist weniger als der typische Inlandspreis von 19 Cent. Zudem sollen die Tarifgrenzen für Handy-Gespräche im Ausland in den kommenden Jahren weiter fallen.

Beides kritisiert der Bitkom. “Langfristig geht die Regulierungspolitik der EU am Interesse der Verbraucher vorbei”, gibt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer zu bedenken. “Wenn die Preise künstlich niedrig gehalten werden, fehlt den Unternehmen Geld für Investitionen in Netzausbau und -qualität.” Darunter leidet etwa der Ausbau von Breitband-Internet in ländlichen Regionen. “Die neuen Preisdiktate sind kontraproduktiv und unnötig”, betont Scheer.

Der Bitkom gibt Tipps, wie Handynutzer international preiswert telefonieren können und was man auf Reisen beachten sollte:

1. Über Tarife informieren

Bei den meisten Mobilfunk-Anbietern sind die Roaming-Konditionen recht übersichtlich. Üblich sind einheitliche Tarifmodelle für ganze Ländergruppen. Die Kunden müssen sich also nicht bei jedem Grenzübertritt auf andere Minutenpreise einstellen. Dabei kooperieren viele Anbieter mit ausländischen Partnernetzen, in denen die Tarife vergleichsweise niedrig sind. In diesem Fall lohnt es sich, die automatische Netzwahl im Handy abzuschalten und das Partnernetz per manueller Voreinstellung zu bestimmen. Innerhalb der EU gilt ohnehin die Obergrenze von 55 Cent für abgehende und 26 Cent für ankommende Gespräche inklusive Mehrwertsteuer. Weitere Details können die Nutzer auf der Internet-Seite ihres Anbieters oder bei der Service-Hotline erfahren. Der Kundendienst kann auch prüfen, ob die Mobilfunkkarte für Gespräche im Ausland frei geschaltet ist. Bei Prepaid-Karten von Discountern kann es Einschränkungen geben.

2. Spezielle Reise-Angebote nutzen

Für Kunden, die viel im Ausland reisen, haben einige Netzbetreiber Sondertarife eingerichtet. Sie sind teils mit einer zusätzlichen Grundgebühr verbunden, bieten dafür aber besonders niedrige Minutenpreise. Das lohnt sich, wenn man regelmäßig zu Hause anruft oder geschäftlich erreichbar bleiben muss.

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