Qimonda knipst endgültig das Licht aus

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Die Stilllegung des Qimonda-Werkes in Dresden ist nun definitiv besiegelt. Bis zum Jahresende läuft der Ausverkauf der Maschinen. Die ehemals 3900 Mitarbeiter hatten noch bis zuletzt auf einen Investor gehofft.

Am Mittwoch hatte der Insolvenzverwalter Michael Jaffé in München mit dem Betriebsrat vereinbart, dass ab sofort die “Resteverwertung” der Chipfabrik im Vordergrund stehe und nicht mehr die Suche nach einem Investor. Der Ausverkauf wird von den beiden Dresdner Geschäftsführern Frank Prein und Wolfgang Schmid geleitet. Der Qimonda-Vorstandschef Kin Wah Loh hat das Unternehmen inzwischen verlassen.

Von den jetzt noch 200 Beschäftigten soll, nach dem Bericht der Sächsischen Zeitung, bis zum Jahresende die Hälfte das Unternehmen verlassen. Danach kommen die Beschäftigen, wie zuvor die ehemaligen Qimonda-Mitarbeiter, in eine Transfergesellschaft.

Interessenten aus mehreren Ländern besichtigen derzeit die Firmengebäude und die Maschinen. Die Anlagen zur Herstellung der Speicherchips werden teilweise im Internet versteigert. Die Infineon-Tochter Qimonda mit rund 4500 Mitarbeiter an den Standorten München und Dresden hatte am 23. Januar Insolvenz angemeldet, nachdem ein geplantes Rettungspaket gescheitert war. Grund für die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens war der weltweite massive Einbruch der Speicherchippreise und der damit verbundenen hohen Verluste.

Bereits Ende Februar kamen aus Brüssel die Signale, dass eine finanzielle Unterstützung von Seiten der EU nicht in Betracht kommt. Der Vizepräsident der EU-Kommission Günter Verheugen erklärte damals, dass es für die Unterstützung von Qimonda keinerlei Instrumente gebe. Auch aus Berlin wurde jegliche finanzielle Hilfe abgeschmettert. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte sogar, dass Qimonda kein “systemrelevantes Unternehmen” sei.

Mit einer Fristsetzung bis Ende März 2009 versuchte Jaffé einen Investor für den insolventen Speicherhersteller zu finden – zwar gab es einige Interessenten, doch die Suche ging weiter und auch die Frist wurde bis Ende Mai verlängert. Zu den möglichen Investoren zählten Unternehemen aus Russland und Asien, auch von dem Halbleiterunternehmen Mikron wurde Interesse bekundet, welches aber auch wieder im Sande verlief.

Das Amtsgericht München eröffnete schließlich am 1. April das Insolvenzverfahren über den Speicherchiphersteller. Der Insolvenzverwalter Michael Jaffé hatte nun noch bis zum Sommer Zeit um einen Rettungsanker – in Form eines Investors – zu finden. Doch auch diese Suche blieb von Erfolglosigkeit gezeichnet. Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens standen auch die Mitarbeiter von heute am Morgen auf der “Straße”. Am 31. März hatte der überwiegende Anteil der Mitarbeiter an den Standorten Dresden und München ihren letzten Arbeitstag. Seitdem befinden sich die 2450 Ex-Qimondianer, je nach Betriebszughörigkeit, in einer Transfergesellschaft. Nur eine Rumpfmannschaft verblieb an den beiden Standorten, damit die Produktion so schnell wie möglich wieder anläuft, falls sich doch ein Investor gefunden hätte.

Am 16. Juni informierte der Insolvenzverwalter die Gläubiger in München über die wirtschaftliche Lage und die Aussichten für den Chiphersteller. Dabei kam er schnell zu dem Ergebnis, dass sich die Hoffnung auf eine Rettung von Qimonda als eine Einheit bereits spätestens Ende Mai zerschlagen hatte, als der favorisierte chinesische Staatskonzern Inspur als Gesamtinvestor absagte. Von nun an verfolgte Jaffè die Zerstücklungs-Taktik und hoffte damit die Gläubiger besänftigen zu können. Doch auch damit erreichte er nicht viel. Am 29. Juli gab Jaffé schließlich die Suche nach einem Investor auf und einigte sich mit dem Betriebsrat, dass im Dresdner Werk Ende des Jahres endgültig das Licht ausgeknipst wird. Damit begrub er gleichzeitig die Hoffung der ehemaligen Mitarbeiter, die auch während ihrer Zeit in der Transfergesellschaft immer noch darauf hofften, dass es einen Weg zurück zu Qimonda geben würde.

Der voraussichtliche Schlusstermin für das Insolvenz-Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht München wurde auf den 4. August gelegt.