Forscher bauen virtuelles Internet

BetriebssystemEnterpriseNetzwerkeOpen SourceProjekteService-ProviderSicherheitSoftwareWorkspace

Um das Verhalten von Botnetzen leichter zu verstehen, haben Forscher der Sandia National Laboratories ein virtuelles Internet aufgebaut. Im Rahmen eines Forschungsprojekts demonstrierten sie, wie in einem Supercomputer über eine Million Linux-Kernels als virtuelle Maschinen laufen. Das soll bei der Erforschung realer und global verteilter Zombie-Netzwerke helfen.

Bislang hätten Forscher nur etwa 20.000 Kernels gleichzeitig als Virtual Machine (VM) betreiben können, sagte Sandia-Forscher Ron Minnich. Indem man diese Zahl in die Höhe getrieben habe, erhoffe man sich, die entstehenden virtuellen Netzwerke zur Cybersecurity-Forschung nutzen zu können, heißt in einer Mitteilung der Sandia National Laboratories.

“Langfristig wollen wir das Netzwerk eines kleinen Landes oder sogar eines großen wie den USA emulieren, um Cyberangriffe zu virtualisieren und zu überwachen”, sagt Sandia-Forscher Ron Minnich. Beispielsweise hofft man bei Sandia, dass die virtuellen Netze es erlauben, das Verhalten von Botnetzen zu beobachten und Gegenstrategien zu entwickeln.

Botnet-Forschung
Ron Minnich (Vorne) arbeitet mit einem Kollegen an der Internetsimulation.
Foto: Sandia

Minnich ist überzeugt, dass der Ansatz helfen kann, Phänomene des Internets besser zu verstehen. “Indem wir echte Betriebssystem-Instanzen verwenden, um Knoten im Internet darzustellen, werden wir nicht nur die Funktionsweise des Internets auf Netzwerkebene, sondern auch Internet-Funktionalität emulieren können.”

Botnet-Experte Thorsten Holz von der Universität Mannheim ist dagegen skeptisch, ob solche Simulationen dem Botnetz-Verständnis wirklich helfen können. “Dazu fehlen einfach zu viele Parameter wie unter anderem nicht-infizierte Maschinen, die Latenz beim Versenden von Nachrichten, Router und andere Netzwerkkomponenten.”

Auch, ob die Verwendung von Linux-Kernels statt Windows-Systemen dem Verständnis realer Botnetze zuträglich ist, sei fraglich. “Ein Linux-Kernel verhält sich teilweise doch ganz anders als ein komplettes Windows-System”, argumentiert Holz.