Preisgekrönte Fehlersuche: Gestern lief es doch noch!

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Andreas Zeller ist nicht nur der Schöpfer des GNU DDD Debuggers, sondern auch der Vater des so genannten Delta-Debuggings. Als Professor lehrt Zeller an der Universität des Saarlandes und seine Forschung zielt vor allem darauf ab, wie sich die Produktivität eines Entwicklers steigern lässt. Für das Delta-Debugging hat Zeller jetzt den in Software-Kreisen renommierten ‘Impact Award’ gewonnen. silicon.de feiert das mit einem Interview.

silicon.de: Zunächst einmal Gratulation zum Impact Award, der Ihnen in den nächsten Wochen verliehen wird. So etwas kommt sicherlich nicht alle Tage vor.

Zeller: Ja, das ist eine schöne Anerkennung, aber der Preis kam völlig unverhofft und ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet. Ich saß also nicht die ganze Nacht vor dem Telefon und habe gewartet, bis das Nobelpreis-Komitee mich anruft.

silicon.de: Kann man denn diese beiden Preise überhaupt mit einander vergleichen?

Zeller: Ich denke nicht. Im Vergleich zum Nobelpreis ist der Impact Award ein sehr kleiner Preis. Aber innerhalb der Software-Technik ist das einer der bedeutendsten Preise.

silicon.de: Sie arbeiten ja nicht erst seit gestern an dem so genannten ‘Gestern lief mein Programm noch’-Problem. Wie sind sie auf dieses Forschungsgebiet gekommen?

Zeller: Ich hatte damals an einem großen System mit einem Debugger gearbeitet. Das ist ein Tool, das Leuten hilft, Fehler zu finden. Damals aber war das noch sehr interaktiv. Das bedeutet, dass der Anwender selbst Befehle eingeben musste. Ich selbst habe dieses Programm gepflegt und daher auch selbst innerhalb des Programms nach Fehlern gesucht und Fehler behoben. Dabei ist mir aufgefallen, dass es immer wieder Fälle gab, die gestern noch funktionierten, heute aber nicht mehr arbeiten. Ich habe mich dann gefragt, warum soll ich mich als Mensch da stundenlang hinsetzen, um nach einem Fehler zu suchen, wenn ich das innerhalb von ein paar Monaten automatisieren kann. (Lacht) Naja, ein paar Monate ist vielleicht ein bisschen zynisch, das ist wohl eine Berufskrankheit bei den Informatikern. Die Idee jedoch war, automatisiert unter den zahlreichen Änderungen nach denjenigen zu suchen, die den Fehler verursacht haben. Und das hat dann auch außerordentlich gut funktioniert.

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