Selbstmordserie: Topmanager der France Télécom geht

Management

In den vergangenen 18 Monaten haben sich 24 Angestellte der France Télécom das Leben genommen – das hat jetzt personelle Konsequenzen. Die Nummer zwei des Konzerns, der stellvertretende Generaldirektor Louis-Pierre Wenes, muss seinen Posten räumen. Wenes selbst habe um die Ablösung gebeten hieß es.

Seit Anfang 2008 hatten beim drittgrößten europäischen Telekommunikationsunternehmen den Gewerkschaften zufolge 24 Mitarbeiter Selbstmord begangen, und 13 weitere Mitarbeiter versucht, sich das Leben zu nehmen. Der Sparkurs des Unternehmens sowie Jobverlagerungen sollen die Auslöser gewesen sein. Wenes galt als Urheber dieser Maßnahmen, die von Gewerkschaften als Ursache einer zunehmenden Belastung der Mitarbeiter angeprangert werden.

Louis-Pierre Wenes werde mit sofortiger Wirkung durch Stephane Richard ersetzt, der nun das Frankreich-Geschäft leiten solle, teilte die France Télécom mit. Zudem stoppe die Führung die Restrukturierungsmaßnahmen bis Ende des Jahres.

“Wenes ist ein Symbol”, hatte vor einigen Tagen die Gewerkschaft CFE-CGC erklärt. “Er war es, der das Management durch Terror eingeführt hat. Er muss weg.” Nachdem sich vor einer Woche ein weiterer France-Télécom-Mitarbeiter durch einen Sprung von einer Autobahn-Brücke umgebracht hatte, verlangte auch die linke Opposition den Rücktritt sowohl von Wenes als auch von Konzernchef Didier Lombard.

Während die Regierung sich hinter Lombard stellte, wurde Wenes nun offenbar sein wenig sensibler Umgang mit der Selbstmordserie zum Verhängnis. Es sei nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter, die den Wandel der Unternehmenskultur beim Sprung von der traditionellen Télécom ins Internet-Zeitalter nicht verkrafteten, hatte er vor zwei Wochen gesagt. Den Gewerkschaften warf er vor, die Suizidserie in den Medien für ihre Zwecke auszunutzen.