Humor@SAP

Management

SAP-Mitarbeiter dürfen sich über SAP lustig machen. Und das sogar öffentlich. So veröffentlicht Dr. Mario Herger, in den SAP Labs in Palo Alto mit dem Thema Standards und Open Source beschäftigt, regelmäßig humoristische Beiträge. Darin setzt er sich mit den Marotten seines Arbeitgebers auseinander.

In seinem Blog im SAP Community Network veröffentlicht Herger Beiträge mit dem Titel ‘Humour@SAP’. So legt er dem SAP-Gründer Hasso Plattner ‘Hasso’s 2nd law’ in den Mund: “If it’s not costly enough, it can’t be good.” Oder er macht Vorschläge, wie SAP-Mitarbeiter ihren Ruhestand gestalten können.

In seinem jüngsten Humour@SAP-Artikel untersucht Herger, was passieren würde, wenn SAP ein Elektroauto bauen würde. Hintergrund ist, dass der einstige SAP-Star Shai Agassi das Unternehmen verließ, um mit der eigenen Firma ‘Better Place’ in eben diese Branche einzusteigen. Ein Elektroauto von SAP würde sich laut Herger durch Folgendes auszeichnen:

  • Man muss mindestens fünf Autos in Lizenz kaufen.
  • Man braucht mindestens ein halbes Jahr, um Straße, Garage und Parkplatz an das Auto anzupassen. Danach kann man es auf Fahrradreifen, Eisenbahnfelgen und Hula-Hoop-Reifen laufen lassen.
  • Der Austausch der Elektrobatterie geht nur mit Hilfe von externen Beratern, die aber für die nächsten zwölf Monate voll ausgebucht sind. Als Workaround gibt es ein zehn Kilometer langes Stromkabel.
  • Man kann grenzenlos Passagiere skalieren, wenn man mehrere Autos clustert.
  • Der Fahrersitz hat 250 Schalter, aber wegen eines Bugs, der erst im SP7 kommt und für den es noch kein Release-Date gibt, bleibt die Rücklehne nach vorne geklappt.
  • Die Bremse reagiert nach sieben Sekunden, weil zuerst die Berechtigungen überprüft werden müssen.
  • Die Geschwindigkeit wird als ABAP-Report angezeigt.

Wer etwas “Seriöses” von Herger lesen möchte, kann unter anderem greifen zu ‘SAP NetWeaver Visual Composer: Modellgetriebene Applikationen entwerfen’, erschienen bei Galileo Press.

Nach Angaben Hergers duldet SAP seine Veröffentlichungen. Es gebe keinen Druck von oben, schreibt er im Forum der österreichischen Zeitung Der Standard. “Übrigens: ich verfasse den humoristischen Weblog Humour@SAP, wo ich die SAP, die Mitarbeiter und auch den Vorstand humoristisch auf die Schaufel nehme, und das von der US-Niederlassung aus, wo gemäß amerikanischen Gesetzen und Usus ich von einem Tag auf den anderen auf die Straße gesetzt werden kann. Und bisher wurde mir kein einziges Mal deswegen mit Entlassung etc. gedroht… Kennen Sie ein Unternehmen, wo ich das als Mitarbeiter schadlos machen kann?”

Fazit: So viel Liberalität und Mut zur abweichenden Meinung steht einem Weltunternehmen gut – und erstaunt zugleich. Kommt doch beispielsweise die Redaktion dieser Publikation in den Genuss eines ganz besonderen Services der SAP-Pressestelle. Nach der Veröffentlichung von Artikeln über den Konzern meldet sich gerne mal ein SAP-Vertreter und bewertet den Inhalt aus SAP-Sicht – ohne, dass ihn ein Redakteur darum gebeten hätte.

Dabei wird unter anderem mitgeteilt, dass SAP über diesen oder jenen Aspekt des Textes “nicht glücklich” sei. Zugleich werden dem Redakteur Handlungsvorschläge für künftige Veröffentlichungen unterbreitet. SAP ist das einzige Unternehmen, das der Redaktion eine derartige Dienstleistung angedeihen lässt.