Wikipedia: Mentalität der kleinen Gruppe

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Am Rande der ‘Symbian Exchange & Exposition’ in London hat Jimmy Wales, Gründer der Wikipedia, Natasha Lomas von unserer Schwesterpublikation silicon.com ein Exklusivinterview gegeben. Darin gewährt er einen Blick hinter die Kulissen der Wikipedia und spricht über die Zukunft der Online-Enzyklopädie.

Nach Angaben von Wales enthält die im Jahr 2001 gegründete Wikipedia mittlerweile insgesamt 13 Millionen Artikel. Wales brach eine Lanze für die Qualität der Einträge. Die Autoren bemühten sich im Allgemeinen, neutral zu schreiben und sich auf die Fakten zu konzentrieren. An der Online-Enzyklopädie arbeiteten in der Regel nur Menschen mit, die gewillt seien, andere Standpunkte zu akzeptieren. Kämpferische Charaktere neigten eher dazu, einen eigenen Blog zu betreiben, wo ihnen niemand hineinreden könne, so Wales.

Jimmy Wales
Jimmy Wales
Foto: Natasha Lomas/silicon.com

Viele Nutzer glaubten, dass Wikipedia-Artikel von Hunderten Autoren geschrieben und verbessert würden. Das sei jedoch nicht der Fall. “Die allermeisten Artikel werden von einer Person begonnen und von einer anderen Person gegengelesen. Dann gibt es vielleicht noch zwei oder drei, die Kommentare oder Kritiken hinzufügen.” Ein Wikipedia-Artikel sei in der Regel das Werk einer kleinen Gruppe.

Diese “Kleingruppen-Mentalität” sei auch eine Schwäche der Online-Enzyklopädie. Der Pool der Wikipedia-Mitarbeiter sei recht homogen zusammengesetzt – er bestehe tendenziell aus einem bestimmten Typ von Persönlichkeiten. “Ich sehe 20 bis 30 Computer-Geeks – zu 85 Prozent Männer. Als es noch keine Wikipedia gab, haben sie vermutlich viel Zeit damit verbracht, Star Trek zu schauen oder sich über Message Boards zu unterhalten.” Künftig wolle man mehr Experten anderer Fachrichtungen für die Mitarbeit gewinnen.

Der allgemeine Kurs für die Wikipedia lautet: Weiter wie bisher und schrittweise besser werden. Wales schwebt eine Online-Enzyklopädie vor, die “ein bisschen sauberer, ein bisschen geschmeidiger und ein bisschen einfacher nutzbar ist.” Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.