Rettungsversuch für MySQL nimmt Gestalt an

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Ende 2009 hatte der MySQL-Mitbegründer Michael Widenius die Online-Petition “Save MySQL” gegen die Übernahme von MySQL durch Oracle veröffentlicht. Bislang wurde die Petition von 20.295 Leuten unterschrieben. Eine erste Liste mit 14.000 Unterschriften wurde nun den Kartellbehörden der EU, China und Russland übergeben.

Nahezu jede Minute wächst die Anzahl der Unterschriften auf “Save MySQL!“, allein in den letzten 24 Stunden sind laut der aktuellen Statistik 3438 Unterschriften hinzugekommen. Die Unterzeichner wenden sich dabei nicht gegen die Sun-Übernahme an sich: “Oracle kann Sun haben, aber nicht MySQL”, heißt es auf der Aktionswebsite. MySQL war 2008 für eine Milliarde Dollar von Sun übernommen worden. Die Übernahmebekundung von Oracle, Sun für 7,4 Milliarden Dollar zu übernehmen, wurde im April 2009 angekündigt.

Der MySQL-Mitgründer “Monty” Widenius und seine Mitunterzeichner befürchten, dass durch die milliardenschwere Übernahme von Sun Microsystem durch Oracle, die Unabhängigkeit des Datenbanksystems MySQL verloren gehe. Ein Großteil der Unterzeichner (93,5 Prozent) würden es am liebsten sehen, wenn Oracle als Bedingung für die Genehmigung der Sun-Übernahme MySQL an ein Drittunternehmen weitergeben müsste, welches die Open-Source-Datenbank wie bisher unter der GPL-Lizenz weiterentwickelt.

Der Oracle-Sun-Deal ist bei den US-Kartellbehörden schon durchgewinkt worden, allerdings hat die Europäische Kommission da auch ein Wörtchen mitzureden. Im November 2009 hatte sich die Kommission gegen die Übernahme ausgesprochen. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes nannte als Grund für die Ablehnung den Konflikt zwischen Oracle und MySQL. Die Kommission hat noch bis zum 27. Januar Zeit, eine Entscheidung in diesem Fall zu treffen. Oracle-Chef Larry Ellison hatte die Verzögerung der Übernahme durch die Kommission heftig kritisiert und erklärt, dass Sun deshalb rund 100 Millionen Dollar pro Monat verliere.