Mobilfunkmarkt im Umbruch

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Der Mobilfunkmarkt beginnt sich neu zu strukturieren: Die derzeitige Entwicklung und die Zukunft waren das zentrale Thema der 10. Konferenz Mobile Communications – Technologien, Märkte, Anwendungen (MCTA), zu der die Augsburger Forschungsgruppe wi-mobile für Anfang Februar nach Berlin eingeladen hatte.

Trotz stetig steigender Teilnehmerzahlen und Volumina schrumpft der deutsche Telekommunikationsmarkt seit 2005. Der Zuwachs an Sprach-, Daten- und SMS-Verkehr in den Netzen kann die Umsatzverluste nicht mehr auffangen. Glaubt man der sogenannten Penetrationsrate, besitzen mehr als 120 Prozent der Deutschen ein Mobiltelefon, real sind es inzwischen etwa 80 Prozent. Etwa neun von zehn Kunden nutzen ihr Telefon ausschließlich privat. Diese Endkunden fragen zunehmend nach höheren Bandbreiten und innovativen Diensten, insbesondere aufgrund der sinkenden Preise für Datenübertragung und Flatrates. Inhaltlich stehen dabei das Bedürfnis nach sozialer Vernetzung und der Wunsch nach End-to-End Cross-Media-Angeboten sowie die ständige Verfügbarkeit des Internets zu Flatrate-Tarifen beim Endkunden im Vordergrund. Die Geschäftskunden hingegen warten ohnehin seit Jahren vergeblich auf passende Angebote abseits von Geräten und SIM-Karten.

Mobilfunknetzanbieter kommen von zwei Seiten unter Druck

Mobilfunknetzbetreiber (MNO) setzen seit einigen Jahren stark auf den Datenverkehr, um den Umsatzrückgang im Sprachbereich zu kompensieren. Auch in diesem Bereich sinken jedoch die Preise – langfristig ein strategisches Problem, so Dr. Arno Wilfert, Leiter der Transaction Services Strategy Group bei PricewaterhouseCoopers. “Sprachumsätze sinken inzwischen schneller als Datenumsätze steigen, wodurch die Mobilfunknetzbetreiber insgesamt sinkende Umsätze verzeichnen. Um die steigende Nachfrage nach Datendiensten und den damit verbundenen Bedarf an Netzkapazität befriedigen zu können, befinden sich MNO in einem Dilemma. Trotz sinkender Umsätze sind sie gezwungen, in neue Infrastrukturen zu investieren”, beschreibt er das Problem.

Zudem sind auf der einen Seite Mobilfunkangebote längst nicht mehr an den eigenen Betrieb eines Netzes gekoppelt, sondern stammen zunehmend von virtuellen Mobilfunkbetreibern (MVNO), die Supermarktketten, Banken, Zeitungen oder TV-Sender sein können. Sie bringen die Kunden oft aus ihrem mobilfunkfremden Kerngeschäft mit – und sind damit näher am Kunden als ein klassischer MNO. Auf der anderen Seite werden mobile Dienste zunehmend von Unternehmen wie Google, Apple oder Nokia angeboten, die eine vollständige Abdeckung der Wertschöpfungskette anstreben und inzwischen im Verhältnis zu den MNO über sehr viel Marktmacht verfügen. “Die Mobilfunkbranche sucht nach neuen Wachstumsfeldern, tut sich jedoch schwer, da diese Bereiche zunehmend von Hardwareanbietern und Internetfirmen besetzt werden”, so Wilfert.

Allein in Deutschland existieren inzwischen 108 Unternehmen, die eine oder mehrere Mobilfunkmarken besitzen. “Die meisten Anbieter haben jedoch bei weitem noch nicht das volle Potential des MVNO-Geschäftsmodells erkannt”, so Yvonne Hufenbach, MVNO-Expertin der Forschungsgruppe wi-mobile, die im Rahmen verschiedener Studien deutsche und europäische MVNO-Märkte verglichen hat: “Hier können in Deutschland noch weitere spannende Erlöspotentiale realisiert werden.” Zwischen einem Viertel und einem Drittel der Endkunden sind bereits Kunden eines MVNO, der keine direkte Tochter eines der vier MNO ist.