Vom Kasperl und vom Krokodil

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Der Karneval ist vorbei und der Fasching auch. Manch einer mag froh darüber sein, allen voran die Arbeitgeber, denen nun – auch an Rhein und Main – wieder die nüchterne Arbeitskraft ihrer Mitarbeiter voll zur Verfügung steht. Wir sagen: lustig war sie, die Woch‘ Zeit der Narren und Jecken auch ganz ohne Narren und Jecken, denn Kasperle und Krokodile gibt’s immer genug auf der Welt.

Guido Westerwelle, seines Zeichens immerhin unser Außenminister, gab diesmal zu Fasching einen spätrömisch Dekadenten. Statt Konflikte zu schlichten oder sonst wie unser Wohl und Ansehen im Ausland zu befördern, kasperlt er sich derzeit mit immer neuen, amtsfremden Schlagzeilen durch die Presse: mal als Anbrüller der eigenen Fraktions- und Koalitionsreihen, mal als römischer Togabedenkenträger der Hartz-IV-Last, mal als beleidigte Leberwurst im Beißkrieg mit Erika, dem Krokodil vom Steinbach.

Irgendwie stellt sich langsam die Frage, ob wir ihn, der sich so undiplomatisch gebärdet, als Chefdiplomaten überhaupt benötigen. Und ob wir generell deutsche Minister brauchen. Vielleicht reicht uns ein Merkel um die grobe deutsche Linie ins europäische Ganze einzubringen, den Rest machen Brüssel und Straßburg.

Die haben dort umfangreiches Personal für alle möglichen europäischen Belange, die kosten auch unser Geld und machen – im übertragenen Sinn natürlich nur – Mist, den sie in Form von Gesetzen an die Staaten zur Umsetzung quasi weiterreichen. Da kann man sich doch mehrere Arbeitsgänge sparen und gleich zentral entscheiden. Zumal unsere nationalen Gesetzte offenbar alle per Bundesgerichtshof in Karlsruhe zumindest zur Nachbesserung ans Parlament zurück verwiesen, selten aber bestätigt werden.

Und wenn das kleine Krokodil Sarkozy uns schon mal einen deutsch-französischen Minister vorschlägt, sollten wir ihn ihm beherzt aus den Zähnen ziehen. Vielleicht hat der dann Modellcharakter. Wir sagen ja dazu und wollen mehr davon. Unser Ziel sind, ähnlich wie vor Jahren in der Industriefertigung, die Lean Politics, natürlich mit Just-in-time-Ruling.

Amüsiert hat uns auch Jürgen Nagel, Richter am Fürstlichen Landgericht in Vaduz, Lichtenstein. Er sprach nämlich einem überführten deutschen Steuersünder einen beträchtlichen Batzen Geld zu als Schadensersatz dafür, dass ihn seine Bank zu spät gewarnt hatte. Nicht vor einer eventuellen Straftat sondern davor, dass diese möglicherweise entdeckt werden könnte. Der Name des Steuerflüchtlings befand sich auf der “Zumwinkel-CD”, die schon dem ehemaligen Postchef zum Verhängnis wurde. Manchmal ist die Justitia wirklich blind.