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Der Bund will und muss seine IT-Kosten massiv senken. Dafür könnte die Verwendung von Open-Source-Software das Mittel der Wahl sein. Doch die Verantwortlichen scheinen einen anderen Weg zu bevorzugen, der es für Open-Source-Anbieter schwieriger macht und vor allem Microsoft eine Chance gibt, schon verlorenes Terrain wieder zu besetzen.

Der bisherige Bundes-CIO Hans-Bernhard Beus hat immer darauf gedrängt, der Bund könne sich viele, manchmal richtig kleine IT-Abteilungen in seinen zahlreichen Behörden nicht leisten. Ihre IT-Services gehörten, zumal sie in vielen Fällen gleich oder ähnlicher Art seien, zusammengefasst, sprich: konsolidiert. Nun ist Beus seinem ehemaligen Chef Wolfgang Schäuble ins Finanzministerium gefolgt. Seine Nachfolgerin als Bundes-CIO wurde Cornelia Rogall-Grothe, ehedem Abteilungsleiterin im Bundesministerium des Inneren (BMI). Die studierte Juristin will sich zunächst einmal einarbeiten.

Ein Kollege aus dem BMI, dem selbst Bundes-CIO-Ambitionen nachgesagt wurden, könnte starken Einfluss auf die Meinungsbildung bekommen: Martin Schallbruch ist IT-Direktor im Innenministerium, keinem anderen Berliner Ministerium unterstehen dermaßen viele Ämter mit zahllosen IT-Arbeitsplätzen. Schallbruch hat früh die Konsolidierungslinie von Beus unterstützt, zum Beispiel auf einer Behördenleitungstagung 2008, wo er sich für eine Zusammenfassung der historisch gewachsenen, parallelen Netze des Bundes stark machte. Er tritt auch für eine Konsolidierung der zahlreichen IT-Abteilungen der BMI-Ämter in wenigen Rechenzentren ein.

Die entscheidenden Fäden laufen in Berlin beim IT-Beauftragten der Bundesregierung, so der offizielle Titel des Bundes-CIO, zusammen. Hier drehen zwei Gremien am großen Rad: Im “Rat der IT-Beauftragten” sitzen neben Bundes-CIO Rogall-Grothe die DV-Chefs der Ministerien, von Bundestag, Bundesrat, Bundespräsidialamt, Kanzleramt, Bundesrechnungshof, Presseamt sowie die Beauftragten für Datenschutz und Wirtschaftichkeit in der Verwaltung. Eine Art politisches Kontrollorgan ist die “IT-Steuerungsgruppe des Bundes”, besetzt mit der Bundes-CIO und je einem leitenden Mitarbeiter aus dem Kanzleramt, dem Finanzministerium sowie dem Ministerium für Wirtschaft und Technologie.

Beide Seiten haben sich auf die Strategie der Konsolidierung geeinigt. Seit dem 1. Dezember letzten Jahres steht fest, dass die ersten drei IT-Dienstleistungszentren des Bundes aufgebaut werden. Sie entstehen bei der Bundesstelle für Informationstechnik (BIT, Köln) des Bundesverwaltungsamtes, beim Zentrum für Informationsverarbeitung und Informationstechnik (ZIVIT, Bonn) und beim Dienstleistungszentrum Informationstechnik des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS, Ilmenau). Es könnten noch weitere IT-Dienstleistungszentren dazu kommen, so ein Backup- und Ausweich-Rechenzentrum in Wiesbaden.

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5 Kommentare zu Aus für Open Source beim Bund?

  • 23.2.2010 um 08:38 von Ainer v. Fielen

    OpenSource Pflicht?
    Für öffentliche, vom Steuerzahler finanzierte Einrichtungen müsste OpenSource eine selbstverständliche Pflicht sein, da dürften Lösungen mit Abhängikkeiten von proprietären Herstellern nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen!

  • 23.2.2010 um 10:39 von Wolfgang Grimm

    OpenSource beim Bund
    Spielt doch keine Rolle was Software kostet. Sogar wenn unser Geld nach Übersee geht. Wir, die arbeitende Bevölkerung, bezahlt es doch.
    Viel Spaß beim Steuer zahlen

  • 23.2.2010 um 10:55 von Hadaschik

    Aus für Open Source beim Bund.? Wenn mann Ploenzke und BearingPoint beauftragt ja!
    Ploenzke und BearingPoint als Berater für das Konsolidierungsprojekt zu beauftragen, bedeutet sicher nichts Gutes für die OpenSource-Bemühungen. Ebenso hätte man satt BearingPoint auch Microsoft beauftragen können. Nur es braucht hat ein Mäntelchen, um zu begründen, warum man sich nun wieder voll in die Abhängigkeit dieses einen Herstellers begibt. Der eigenen Softwarebranche wird damit ein Bärendienst erwiesen und zudem auf Dauer viel Geld verpulvert.

    Was soll man schon von dieser Regierung anderes erwarten. Ist sie doch bestens darin geübt, Geld zum Fenster heraus zu schmeißen.

  • 23.2.2010 um 18:17 von Johannes Loxen

    Diagnose korrekt, Prognose eher nicht :-)
    Der OpenSource-Hype geht tatsächlich zu Ende und die Bevorzugung von OpenSource-Software um ihrer Selbst willen findet kaum mehr statt. Um so mehr ist von Bedeutung, dass die Verbreitung von OpenSource auch auf dem "long tail" des Hype-Cycles zunimmt!

    In vielen Fällen ist OpenSource-Software der proprietären Lösung überlegen und dort ist sie dann auch das System der Wahl. Manchmal geht aber auch an Microsoft oder anderen Anbietern proprietärer Software kein Weg vorbei.

    Als Vertreter eines OpenSource-Unternehmens muss einen das nicht freuen – aber Akzeptanz des Wettbewerbers ist ja nun eigentlich etwas, was die OpenSource-Community sich bisher erkämpfen musste und jetzt auch selber anwenden darf :-)

    Hier jetzt dem "Aus für OpenSource" das Wort zu reden ist eigentlich nicht sachgerecht und entspricht auch nicht den Erfahrungen vieler im Markt aktiver Firmen.

  • 8.3.2010 um 13:42 von Donny

    Deutsche Interessen des Mittelstands
    Der Bund hat es zugelassen, sich zur Marionette der Bitkom zu machen.

    Statt Herstellerneutralität zu fördern und damit den Marktzugang von deutschen Mittelständlern zu erhalten, liefert man deutsche Interessen, auch die der deutschen Steuerzahler, an den finanzstarken Monopolisten aus Übersee aus. Aber das ist eben Lobbying, keine vernünftige ordnungspolitische Linie.

    Mit anderen Worten, Deutschland verliert weitere 15 Jahre durch die Untätigkeit unserer deutschen Verwaltung, während die Spanier vorpreschen.

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