Wie spart man beim SAP-Support?

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Immer häufiger legen Anwender den Support für ihre Anwendungen und ERP-Systeme nicht mehr in die Hände des Herstellers. Aber funktioniert das im jedem Fall und ist das auch billiger? Software-Experte Dr. Stefan Ried, Senior Analyst Forrester Research, erklärt, wann es Sinn macht einen unabhängigen Support-Anbieter ins Boot zu holen.

silicon.de: Es gibt Experten die gerade im Fall von SAP-Drittwartung von einem nicht existierenden Markt sprechen. Ist das so richtig?

Ried: Das stimmt vor allem für Deutschland, weil die Unternehmen noch sehr nahe an der SAP sind und sich viele für eine Single-Vendor-Strategie entscheiden. In anderen Ländern ist aber sehr viel weniger der Fall. Die Preispolitik der SAP im letzten Jahr hat aber die Diskussion auch in Deutschland ins Rollen gebracht.

silicon.de: Gibt es denn von den deutschen Anwendern überhaupt ein Interesse an der Wartung ihrer SAP-Systeme durch ein anderes Unternehmen?

Ried: Ja, Interesse besteht auf jeden Fall. Wir machen regelmäßig – ganz besonders im letzten Jahr – Beispielrechnungen für Anwender wie auch für Systemintegratoren, ob es sich lohnt in eine Third-Party-Maintenance hineinzugehen. Ob sich das rechnet, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

silicon.de: Wie sehen diese Faktoren aus?

Ried: So muss man zum Beispiel prüfen, wie viel Know-how man selbst im Haus hat. Eine Third-Party-Maintenance kann sehr gut funktionieren, wenn man das, was man von der SAP-Maintenance bekommt, nicht alles braucht. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man sein SAP-System als eingefroren betrachtet und wenn es nur darum geht, kleine rechtliche Veränderungen nachzuziehen oder einen Bug zu beheben. Damit wären systemtechnische Probleme, Verträglichkeiten mit Betriebssystem-Patches, Performance-Probleme soweit abgedeckt, um ein bestehendes System sowohl technisch als auch betriebswirtschaftlich sicher weiter betreiben zu können. So etwas können Third-Party-Maintenance-Anbieter besonders für ältere SAP-Systeme sehr gut machen.

silicon.de: Wann eignet sich eine Drittwartung nicht?

Ried: Dabei ist die Frage wichtig, “wo stehe ich im Produkt-Livecycle”. Dazu muss man auch beachten, dass man von einem Drittanbieter nicht das gleiche bekommt, wie von der SAP. Wenn man wirklich das alles braucht, was man von der SAP-Maintenance bekommt, dann sind die anderen keine Alternative, denn es gibt nach wie vor Elemente im SAP-Support, die von Dritten nicht angeboten werden.

silicon.de: Kann eine Drittwartung auch teurer ausfallen als die von SAP geforderten 18 bis 22 Prozent des Lizenzpreises?

Ried: Wenn es darum geht, aus dem gekauften System das Maximum herauszuholen, wie man auf Amerikanisch sagt, zu leveragen, dann ist es eventuell bei einem Drittanbieter teurer. Ich geben ein Beispiel: Ein Anwender kauf ein CRM und fängt im ersten Jahr mit dem Sales-Order-Management an. Dann kommt im nächsten Quartal das Lead-Management hinzu, schließlich stellt sich heraus, dass in dem Unternehmen eine Lead-Qualifikation gewünscht wird. Nach einem halben Jahr entscheidet man sich, auch noch das Campaign-Management zu nutzen. In Zeiten knapper Kassen implementieren viele Anwender ihre SAP-Systeme schrittweise.

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