Palms letzter Rettungsanker

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Das Rätselraten, was aus dem schwer angeschlagenen Smartphone-Pionier Palm wird, hat ein Ende. Hewlett Packard (HP) übernimmt den Handyhersteller für 1,2 Milliarden Dollar (900 Millionen Euro). Das Unternehmen will damit seine mobile Strategie neu ausrichten.

Denn mit den bisherigen Ladenhütern Palm Pre und Pixi kann HP nicht nur vielversprechende Smartphone-Modelle in sein Portfolio integrieren. Das ebenfalls von Palm entwickelte mobile Betriebssystem WebOS könnte dem Unternehmen auch den Einstieg in die Tablet-Welt ebnen. In einer Telefonkonferenz hob Todd Bradley, Executive Vice President von HPs Personal Systems Group und früherer CEO von Palm, die Multitasking-Fähigkeiten von WebOS und die rund 1650 Patente des Handyherstellers hervor: “Palms innovatives Betriebssystem ist eine ideale Plattform, um HPs Strategie für mobile Geräte auszubauen.”

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“Wir sind begeistert von HPs Vertrauen in Palms technologische Führungsrolle, die zu Produkten wie WebOS und Palm Pre geführt hat”, sagte Palm-CEO Jon Rubinstein. Bradley erwartet, dass Rubinstein zu HP wechseln wird. Allerdings war dieser nicht einmal bei der Telefonkonferenz dabei.

Überraschend hoher Preis

Beide Seiten haben dem Vorhaben bereits zugestimmt, teilten die Unternehmen am Mittwoch nach US-Börsenschluss mit. HP werde pro Palm-Aktie 5,70 Dollar zahlen. Das entspricht einem Aufschlag von 23 Prozent auf den Schlusskurs vom Mittwoch. Die Transaktion soll vorbehaltlich der Zustimmung der zuständigen Aufsichtsbehörden bis Ende Juli abgeschlossen werden. Analysten zeigten sich vom hohen Übernahmepreis überrascht. So hatte der Analyst Ken Dulaney von Gartner eher mit einer Übernahme durch den Blackberry-Hersteller RIM und mit einem Preis von weniger als 500 Millionen Dollar gerechnet.

Doch was liegt eigentlich genau hinter der Übernahme. HP ist insbesondere an dem Handy-Betriebssystem aus dem Hause Palm interessiert. WebOS soll nach der Übernahme nicht nur weiterentwickelt, sondern auch ausgebaut werden. So will man WebOS nicht auf Smartphones beschränken, auch andere Geräteklassen wie Netbooks oder Tablets sollen künftig mit dem Linux-basierten Betriebssystem ausgestattet werden. Gleichzeitig betont man aber, dass dies kein Abgang von bisher favorisierten Plattformen ist, Windows Phone 7 oder auch das Desktop-Betriebssystem Windows 7 sollen uneingeschränkt weiter unterstützt werden.

So bastelt HP bereits seit geraumer Zeit an einem Tablet-Gerät namens “HP Slate”, welches das Unternehmen selbst als deutlich besser ausgerüsteten Apple iPad-Konkurrenten positioniert. Bis auf die Tatsache, dass der HP Slate mit Windows 7 läuft, gibt es keine weiteren Details über das Gerät und auch der Verkaufsstart ist noch ungewiss. Ein weiterer Grund für die Übernahme wäre also, dass HP zusammen mit Palm und Microsoft besser gegen den Konkurrenten Apple aufgestellt ist.