Open Source beim Bund: Hindernisse und Chancen

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Um IT-Projekte auf der Basis von Open Source in der Verwaltung ist es in den vergangenen Monaten deutlich ruhiger geworden. Neue Leuchtturm-Projekte großer Kommunen oder Behörden sind derzeit Mangelware.

Die Linux-Gemeinde befürchtet ein Erstarken proprietärer Anwendungen und eine Abkehr von offenen Standards. Eine Analyse von Andreas Burau, Research Director ICT-Service bei der Experton Group.

Trotz zahlreicher erfolgreicher Projekte in den letzten Jahren und einer Weiterentwicklung des Open-Source-Ökosystems scheint das Thema bei der öffentlichen Hand derzeit auf der Stelle zu treten. Nach Ansicht der Experton Group sind hierfür folgende Hindernisse zu berücksichtigen:

Keine kritische Masse an Endusern erreicht

Linux und Open Source bleiben besonders beim Enduser/Fachanwender eine Nischenlösung. Nur in einer geringen Zahl von Verwaltungen hat sich beispielsweise OpenOffice als Alternative zu MS Office durchgesetzt. Ähnliches gilt für Webbrowser und Mailclients. Zum Einen beharren Endanwender auf gewohnten Umgebungen. Andererseits tun sich die Entscheidungsträger häufig schwer, Änderungen umzusetzen, insbesondere aufgrund der angespannten Haushaltslage. Andere Aufgaben sind für die Entscheidungsträger in Gemeinden wichtiger, andere Probleme drängender.

Die Zahl der Fachanwendungen auf Linux ist weiterhin zu gering

Die klassischen Fach- und Verwaltungsanwendungen der privatwirtschaftlichen Anbieter und kommunalen Rechenzentren – Allgemeine Verwaltung, Meldewesen, Finanzwesen, Ordnungswesen, Personalwesen, Sozialwesen und Immobilienmanagement – laufen zum überwiegenden Teil nicht auf Linux und stellen keine Schnittstellen in offene Umgebungen bereit. Zwar haben einige Anbieter ihre Lösungen auf Linux portiert, eine signifikante Größe im Anwenderumfeld wurde jedoch nicht erreicht.

Open-Source-Dienstleister brauchen einen langen Atem

Ebenso wie die Zahl der Open-Source-Anwendungen ist auch die Zahl der spezialisierten Open-Source-Dienstleister eher gering. Neben mittelständischen Spezialisten verfügen kleine Dienstleister oftmals lediglich über begrenzte Ressourcen, so dass die Anzahl der Projekte eher gering bleibt. Die großen Dienstleister bieten in der Regel Lösungen für verschiedene Umgebungen an. Linux und Open Source sind hier nur eine Alternative.

“Marktstandards” drängen wieder verstärkt im Fokus von Verwaltungen

Insbesondere im Bund sollen Marktstandards wieder stärker berücksichtigt werden. Das dürfte letztendlich zu einem stärkeren Einsatz der Produkte etablierter Anbieter (De-Facto-Standards) führen.

Konsolidierung und Zentralisation schränken Handlungsspielräume ein

Auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden sind zahlreiche Konsolidierungsbestrebungen zu verzeichnen. Das schränkt den Spielraum für alternative IT-Lösungen eher ein. Es wird solchen Lösungen und Dienstleistern der Vorzug gegeben, die große Installationen und Massenanforderungen betreiben, warten und weiterentwickeln können.

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