Der Unterschied zwischen guten und sehr guten Künstlern

EnterpriseÖffentlicher SektorOpen SourceProjekteSoftwareSoftware-Hersteller

Es gibt nicht nur Tage, an denen man besser gleich im Bett bleiben sollte, weil sie nichts Gutes bringen: Zoff, Rechnungen, Stress im Job, schlechte Nachrichten, die Texte gehen auch nicht so von der Hand… Es gibt noch massivere Gründe. So einen bot der letzte Montag, es war der 26. April: Es war – ja, so etwas gibt es – der “Tag des geistigen Eigentums”.

Schon der Titel reicht, einem den Tag zu versauen. Was ist geistiges Eigentum? Man ahnt sofort, dies wird der Tag der sprachlichen Nebelwerfer. Wikipedia muss her, also ran an den PC. Volltreffer! Leider einer der kapitalen Art. Eine Erklärung, die gar nicht mehr enden will. Nach halbstündiger Lektüre bin ich verwirrter denn je. Nur eins weiß ich sicher: Der Begriff ist wahnsinnig umstritten und eignet sich wunderbar für Propaganda.

Genau die gab es an diesem Tag. Unsere Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger empfing Vertreter vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), vom Markenverband sowie vom Aktionskreis gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM).

Was machen Vertreter? Sie wollen etwas verkaufen. Einen Schaden zwischen 29 und 50 Milliarden Euro erleide die deutsche Industrie alljährlich. Eine ziemliche Spanne. Belastbare Zahlen sehen so nicht aus. Bitkom-Präsidiumsmitglied Volker Smid verkündet gleichwohl: “Die Mehrheit der Deutschen hat ein ausgeprägtes Bewusstsein für geistiges Eigentum.” Ich wette, die Mehrheit der Deutschen weiß so wenig wie ich halbwegs präzise zu sagen, was geistiges Eigentum ist. Und was für ein Bewusstsein ist das, wenn Smid selbst erklärt, “dass sich jeder Vierte für Raubkopien ausspricht”?

Das ist nun eine recht freihändige Darstellung eines Umfrageergebnisses, wonach ein Viertel der deutschen Computerbesitzer schon einmal eine “Raubkopie” auf ihren Rechnern hatte. Ermittelt hat das TMS Emnid. Die Marktforscher haben 1000 Personen befragt – im Auftrag von Microsoft. Das Ergebnis fiel prompt wie gewünscht aus. “Der typische Softwarepirat: Jung männlich, gebildet und ohne schlechtes Gewissen” lautete die passende Überschrift bei silicon.de.

Natürlich musste ein Microsoft-Manager drohend auftrumpfen, Martin Berchtenbreiter: “Auch Software ist das Ergebnis kreativer Arbeit und damit geistiges Eigentum, das urheberrechtlich geschützt ist. Jeder, der Softwarekopien brennt und weitergibt oder Originalsoftware auf mehreren PCs installiert, ohne im Besitz der entsprechenden Lizenzen zu sein, verstößt gegen das Urheberrecht.”