US-Militär: Der Feind heißt PowerPoint

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Das US-Militär sieht eine Bedrohung für seine Soldaten, die militärische Laien eher überraschen dürfte: PowerPoint. Microsoft Präsentationsoftware sei eine “interne Bedrohung” für die Truppen, wettert etwa der hochdekorierte General H. R. McMaster.

“PowerPoint macht uns dumm”, kritisiert auch General James N. Mattis vom Marine Corps. Die Kritik der Generäle zielt im Wesentlichen auf die Schlichtheit des Programms. So könnten auch komplexeste Zusammenhänge auf wenige Stichpunkte reduziert und in eine PowerPoint-Folie gepresst werden. Ohne Chance darauf, dass Zuhörer und Betrachter die Zusammenhänge wirklich verstehen.

Afghanistan-Strategie
“Wenn wir diese Folie verstanden haben, haben wir den Krieg gewonnen.”
Foto: New York Times

Der Großteil der verantwortlichen Sicherheitsexperten ist sich deshalb nach einem Bericht der New York Times einig, dass das Programm zu unvollständiger Informationsaufbereitung und mangelndem Verständnis führt. Trotzdem wird es tagtäglich auf höchster Ebene eingesetzt: Auch US-Verteidigungsminister Robert Gates liest jeden Abend ausgedruckte PowerPoint-Folien, um in morgendlichen Meetings näher darauf eingehen zu können.

General Stanley McChrystal, Chef der in Afghanistan stationierten US- und NATO-Truppen, gewann dem Problem zuletzt immerhin eine komische Seite ab. “Sobald wir diese Folie verstehen, haben wir den Krieg gewonnen”, scherzte er bei einer Präsentation angesichts einer Folie, die die US-Strategie in Afghanistan zeigen soll – aber eher einem Teller Spaghetti gleicht.

Ein anderer Militärexperte wies gegenüber dem Blatt auf einen weiteren Vorteil hin. Nach 25 Minuten PowerPoint seien zumindest die meisten Journalisten so müde, dass sie keine kritischen Fragen mehr stellen würden.