Studie: Handy und Hirntumor

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Die Frage ist so alt wie das Handy selbst: Verursacht Handy-Strahlung Wucherungen im Gehirn des Menschen? Auch eine im Jahr 2000 gestartete internationale Untersuchung von 13.000 Probanden konnte keinen direkten Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von zwei Hirntumoren und der Nutzung von Handys belegen.

Doch ganz ohne Risiko scheint das Telefonieren im Handy-Netz für die derzeit rund 4,6 Milliarden registrierten Handy-Nutzer weltweit auch wieder nicht zu sein. Es gebe Hinweise, so heißt es in der von der WHO in Genf vorgestellten Studie, dass Menschen, die länger als 30 Minuten am Tag mit ihrem Handy telefonieren, ein höheres Risiko hätten, ein Gliom, einem relativ seltenen aber sehr aggressiven Hirntumor, zu bekommen. Bestimmte Tendenzen und Fehler jedoch hätten verhindert, dass sich ein kausaler Zusammenhang herstellen lasse, so die Autoren der Studie.

Dafür waren vor allem ungenaue Angaben der Befragten verantwortlich, die erklären mussten, wie lange, wie häufig und an welchem Ohr sie meist telefonieren. So hätten einige Kontrollgruppen in der Studie mit der Verwendung von Handys sogar das Risiko an Krebs zu erkranken verringert, was den Forschern zufolge völlig auszuschließen sei.

So wurde in der Studie zum Beispiel nicht untersucht, wie Menschen das Handy nutzten, wenn sie nicht damit telefonieren. Es tauchte in der Studie nicht auf, wenn jemand jede Nacht mit eingeschaltetem Handy auf dem Nachtkästchen schläft.

Die Ergebnisse der Studie wurden ebenfalls von der veränderten Nutzung von Mobiltelefonen verzerrt. Im Jahr 2000 wurde einfach noch ganz anders mit einem Handy umgegangen. Es scheint also in gewisser Weise dennoch ein Risiko zu geben. Je länger Menschen kabellos telefonieren, desto höher das Risiko. Mehrere kurze Telefonate sind offenbar weniger schädlich.

Nun sollen weitere Untersuchungen Aufschluss über weitere Einflüsse von Handy-Strahlen auf die Gesundheit bringen; zum Beispiel auf die Nerven im Ohr oder die Auswirkung auf Kinder, die offenbar deutlich empfindlicher auf die Strahlung reagieren als Erwachsene.

Die Studie wird im International Journal of Epidemiology veröffentlicht und wurde in 13 Ländern wie Deutschland, Frankreich, Japan und Großbritannien, allerdings nicht in den USA unter der Leitung des International Agency for Research on Cancer durchgeführt. Knapp 13.000 Personen wurden befragt, von denen etwa 5200 einen Gehirntumor hatten.

Knapp 20 Millionen Euro kostete die Studie und rund ein Viertel dieser Gelder stammt aus der Handy-Industrie. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betonte jedoch, dass über besondere Maßnahmen die Unabhängigkeit der Untersuchung sichergestellt worden sei.

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