Und täglich grüßt das Gipfelkreuz

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Unser Autor sitzt in einer Zeitschleife fest. Er durchlebt albtraumhaft wieder und wieder denselben Tag. Und Sie mit ihm! Ist das nicht großartig?

Jeden Morgen wieder kommen wir in unser Büro, schalten den Rechner ein, der bootet. Dann gehen wir in die Küche und holen uns die erste Tasse Kaffee des Tages, der Rechner bootet. Peter kommt vorbei und erzählt von seiner Sause gestern Abend. Der Rechner bootet. Mark schaut rüber und bringt die neusten Statistiken. Man könnte vielleicht dieses tun, oder jenes lassen. Der Rechner bootet.

Jeden Tag starten wir unseren Arbeitstag auf die selbe Weise, jeden Tag kämpfen wir uns durch immer neue Wüsten an Besprechungen, Artikeln, E-Mails… Wir sind Bill Murray, wir sind Sisyphos. Dabei war der ein glücklicher Mensch, meint jedenfalls Albert Camus. Naja, alberner Franzose eben. Täglich rollen wir genau wie der olle Grieche im Schweiße unseres Angesichts unseren funkverdrahteten, remotegemeisselten und mit ITIL gesegneten Stein den Berg hinauf. Von dort grüßt ewig das Gipfelkreuz.

Apropos Kreuz: Das tut uns, da wir anders als der Grieche dauernd vor dem Bildschirmen sitzen, naturgemäß weh. Eine kleine Bergtour wär da eine willkommene Abwechslung. Andersherum hat sich Sisyphos wahrscheinlich auch mehr als einmal gedacht: “Ach könnt ich heute doch mal ins Büro gehen.” Aber bei dem hat’s nicht die ganze Zeit geregnet, der war ja in der Unterwelt unterwegs. Insofern hält sich unser Mitleid in Grenzen. Das tägliche Steinerollen gab ihm zudem – so Camus – (s)einen Sinn, ganz ähnlich wie Nietzsches Übermenschen sich im Verfolgen seines ewig gleichen Ziels selbst vollendet. So gesehen sind wir alle ein wenig Sisyphos, ein klein wenig Übermensch. Wir IT-ler…

IT-Profis nehmen jeden Tag aufs Neue den Kampf mit ihrem System aus, schlagen sich mit störrischen Maschinen und Programmierern herum, Stimmen sich mehr oder weniger mit den anderen Geschäftsbereichen ab, verfluchen wenigstens einmal täglich den CFO sowie all die belämmerten Anwender da draußen und machen sich überhaupt ununterbrochen heiße Köpfe über die neusten Angebote der IT-Dienstleister, mit denen man zudem ständig zum Essen gehen muss. Was ganz schlecht ist für die Linie. Ein bisschen Steinerollen wäre dagegen gar heilsam!

So einem Chefredakteur geht’s da aber auch nicht besser: Er versucht jeden Tag aufs neue, seine lieben Kollegen zu Großtaten wie einem Artikel über spannende neue Compliance-Bestimmungen der EU zu bewegen, die Technik aus dem Koma zu erwecken, den Bootvorgang des Rechners am Morgen zu überleben, frische Ansprechpartner unter den CIOs und CEOs zu requirieren, abgefahrene und noch nicht beackerte Themen auszugraben, seine Verkäufer mit fadenscheinigen Ausflüchten zu vertrösten, der Herausgeberin aus dem Weg zu gehen, etc. etc… Sie kennen das ja von Stromberg.

Und dennoch: Ist es nicht großartig? Was würden wir nur tun ohne sie, die IT und unsere damit eng verknüpfte Arbeitswelt? Soaps und Gerichtssendungen sowie Kohlenhydrate konsumieren? Uns selbstverwirklichen in Yogakursen und Klosterseminaren? Diäten durchziehen? Malen? Dichten? Auf Pilgerfahrt gehen? Ach kommen Sie… Wir haben uns zweifelsohne das feinste vom Feinen ausgesucht, um unser täglich Brot zu verdienen! Vielleicht mal abgesehen von der Bundeliga und der Formel 1 ist keiner so cool wie wir IT-ler. Noch immer und trotz allem werden zunächst wir zurate gezogen, wenn’s der Rechner der Nachbarstochter nicht mehr tut. Wer würde sich sonst in die Höhle der pubertierenden Junglöwin wagen? Unser Intellekt ist weithin bekannt und gefürchtet!