Nacktscanner: Ärgernis oder Notwendigkeit?

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Diese Woche hat die EU-Kommission einen Bericht vorgelegt, wonach der Einsatz von Ganzkörperscannern (GKS) an Flughäfen einerseits effektiv und andererseits nicht gesundheitsgefährdend ist. Nun liegt es am EU-Parlament, eine – wie auch immer geartete – Erlaubnis für die gesamte EU auszusprechen.

Wir unterhielten uns mit Andreas Kotowski, CTO von Rapiscan, einem der vier großen Anbieter von GKS. Er befürwortet naturgemäß den Einsatz der Geräte. “Sie sind sicher und nicht schädlich, und wenn wir tatsächlich Anschläge verhindern wollen, sogar alternativlos.” Diese Aussage kann natürlich in Zweifel gezogen werden: Nach dem missglückten Terroranschlag auf den Northwest-Airlines-Flug 253 Amsterdam nach Detroit am 25. Dezember 2009 erklärten Experten, dass auch ein GKS die 80 Gramm des Sprengstoffes Nitropenta nicht erkannt hätte.

Fotogalerie: Der Ganzkörperscanner Rapiscan Secure 1000

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Entsprechend umstritten sind GKS. Zumal Rapiscan, deren Gerät beispielsweise zu Testzwecken am Airport Manchester steht, mit Röntgenstrahlen arbeitet. Naturgemäß schrecken wir davor zurück. Ein Röntgengerät wie auch der GKS misst die Röntgenstrahlung, die durch einen Körper hindurch tritt. Die schwache Rückstreuung wird mit Detektoren aufgezeichnet.

“Sie nehmen bei einem Scanvorgang nicht mehr Strahlung auf als bei zwei Minuten Flug in 10 Kilometer Höhe”, erklärte Kotowski. Die mittlere Gesamtstrahlenbelastung eines Röntgenscanners soll bei 0,1 bis 0,2 µSv liegen. Die Alternative wären Terahertzscanner, die mit Millimeterwellen arbeiten. Dazu kann sich der CTO aber nicht äußern, “das ist nicht meine Baustelle”. Seine Firma setzt auch ganz auf passive Scanner, also Geräte, bei denen eine Person sieben Sekunden lang passiv verharren muss, bis sie ganz abgetastet wurde.

“Aktive Scanner, die quasi im Vorbeigehen arbeiten, sind zu ungenau und können eine Person nicht im ganzen erfassen”, meint Kotowski. Aber sieben Sekunden bewegungslos verharren? Wie lange wird wohl die Schlange am Check-in werden? Kotowski: “Wir schaffen 240 Personen pro Stunde, pro Scan rechnen wir also 15 Sekunden ein. Das unterscheidet sich nicht vom Einsatz herkömmlicher Metalldetektoren, wie wir sie heute zu Genüge kennen. Unsere Erfahrung aus Manchester zeigt, dass es sogar schneller geht als bisher, weil in der Regel das Abtasten unterbleibt.”