Risiken und Chancen für Enterprise-Softwareanbieter

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Die Wirtschaftskrise hat zu massiven IT-Budgetkürzungen geführt. Gleichzeit wächst der Bedarf am IT-Ausbau und Umbau in den Unternehmen. Wie sich diese Situation auf die Enterprise-Softwareanbieter auswirkt, hat der Unternehmensberater Bain & Company in der Studie ‘Preparing for the On-Demand Game in the Enterprise Software Industry’ untersucht.

Demnach reagieren IT-Verantwortliche in erster Linie mit der Umwandlung von Fixkosten in variable Kosten. So komme zunehmend On-Demand-Software zum Einsatz, die nach dem Nutzungsumfang bezahlt werde und keine große Anfangsinvestition brauche. Diese Entwicklung bedrohe das traditionelle Geschäftsmodell der Softwareunternehmen, hieß es von Bain & Company.

Traditionell verdienten Softwareunternehmen durch Lizenzgebühren beim Verkauf und die Wartungsgebühren. Die jährlichen Wartungskosten lägen bei durchschnittlich 18 Prozent der ursprünglichen Lizenzgebühr. Bei Anbietern von Enterprise Resource Planning (ERP) trügen die Wartungskosten im Schnitt 30 Prozent zum Umsatz und 40 bis 60 Prozent zum Ertrag bei.

Matthias Budde
Matthias Budde
Foto: Bain & Company

“Bedingt durch die Krise steigt das Risiko, dass viele ERP-Kunden ihre Gebühren neu verhandeln, Wartungsverträge nicht erneuern oder zu Drittanbietern wechseln möchten, die diesen Service für die Hälfte des Preises anbieten”, sagt Matthias Budde, Partner und IT-Experte bei Bain & Company. “Ein Preisverfall bei der Wartung um nur einen Prozentpunkt würde ERP-Anbieter weltweit etwa 750 Millionen Euro Umsatz und rund 300 Millionen Euro Ertrag kosten.” Aus diesem Grund werde es für etablierte Softwareanbieter noch wichtiger, in die Loyalität ihrer Kunden zu investieren, in dem sie den Wert ihrer Wartungsdienstleistung für den Kunden sichtbar steigern.

Vier große IT-Trends

Die Bain-Studie prognostiziert, dass der Softwaremarkt auch mittelfristig nicht an vergangene Wachstumsraten von jährlich 10 bis 15 Prozent anknüpfen kann. Die Zuwächse bis 2015 werden bei weniger als fünf Prozent im Jahr liegen. Bain begründet das mit vier großen Trends:

1. Software-as-a-Service (SaaS) nimmt zu, verringert aber die Margen der Softwareindustrie. SaaS ermöglicht die Gewinnung neuer Kundengruppen, die sich komplexe Software bisher nicht geleistet haben. Zudem können bestehende Kunden neue Funktionen testen, ohne große Investitionen zu tätigen. SaaS wird zunächst vor allem beim Customer Relationship Management, Content Management und Human Resources Management eingesetzt werden. SaaS hebt zusätzliches Umsatzpotenzial in neuen Hybridbereichen aus Produkt und Dienstleistung, substituiert aber auch bestehende Softwareumsätze und teilt sie in kleinere Zahlungsströme. Hohe Einrichtungs- und Betriebskosten für die Softwareanbieter bei gleichzeitigem Preisdruck gefährden die Erträge der Branche.