Guerilla-Paparazzi im Auftrag der IT

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Was war los diese Woche? Eigentlich war’s fad, hätten sich nicht ausgerechnet zwei deutsche Vorzeigeunternehmen öffentlich gezofft. Nicht dass sie gegeneinander geschossen hätten, nein, die Kerle haben sich intern angefiest, gemobbt und rausgeekelt.

Ist das witzig? Eigentlich nicht, aber weghören mag man auch nicht. Wie wenn die Nachbarn sich gegenseitig das Geschirr über die Rübe ziehen. Was genau ist wohl geschehen bei der Software AG, das seit Monaten schon mit Schlagzeilen punktet, wie man sie von einem solchen biederen deutschen Unternehmen niemals erwartet hätte? Erst gab’s noch das Bundesverdienstkreuz für den Professor, dann den Staatsanwalt. Und nun offener Machtkampf um die Spitze. Des Sommers Glut hat nicht jedem gut getan, deucht uns.

Dass ausgerechnet der bisherige Produktvorstand Dr. Peter Kürpick geht, da kann es nicht mit rechten Dingen zugehen. Jetzt mal ehrlich: Kürpick war für viele Journalisten “Mr. Software AG” – engagiert bis in die Haarspitzen, zeitweise sogar etwas zu viel, hatte man beispielsweise auf der CeBIT den Eindruck. Dort hatte ich ihn und ausgerechnet Dr. Wolfram Jost, den Emporkömmling von Scheer, der ihn nun beerbt, in einem kleinen Zimmerchen vor mir sitzen. Kürpick hatte einen Hals (ich dachte wegen meiner dämlichen Fragen, jetzt weiß ich es besser), Jost gab Marketingantworten. Aktuell findet man auf der Site der Software AG bei der Suche nach Kürpick nur mehr den Hinweis “The Web page cannot be found”. Das ist glatter Meuchelmord.

Und Spekulation. Ich habe keine Ahnung. Würde es aber gerne wissen. Und Forrester-Analyst Stefan Ried klaut mir auch noch den besten Joke der Woche und warnt die Software AG vor einem “Shai-Agassi-Syndrom“. Hey! Witze sind mein Job! Gerissener Hund, der Ried. Nun steh ich blank da.

Weiter stellt sich aber die Frage: Wie genau ist das bei Infineon gelaufen? Knapp teilte das Unternehmen diese Woche mit, dass Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Dr. Marco Schröter “aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Geschäftspolitik (…) mit sofortiger Wirkung” aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Härter geht’s ja nun wohl nicht. Hätten sie ihm noch vor laufender Kamera einen Tritt in den Hintern verpasst, hätte es keinen gewundert. Bei abgeschalteter Kamera haben die das sicher gemacht…

Gewinner des Machtkampfs ist bekanntermaßen und ganz klar Peter Bauer, bislang Sprecher des Vorstands. Er ist nun – wenn auch nur vorübergehend – Vorstandsvorsitzenden und Finanzvorstand in Personalunion. Sein Glanz erhellt aktuell das komplette München (demnächst erhält er deswegen auch auf vielfachen Wunsch die Medaille “München leuchtet”, die offizielle Ehrung für besondere Verdienste um die Stadt). Jetzt muss er nur noch die Handychipsparte für einen Euro oder so an Intel verscherbeln, dann kann er den Scheer machen und bundesverdienstkreuzen.