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Eigentlich sind die Vorstandsetagen der Computerunternehmen nicht unbedingt als Schauplatz für eine Seifenoper prädestiniert. Doch genau deshalb ist Mark Hurds Abgang bei Hewlett-Packard so ungemein zwingend. Ein Artikel von Luis Praxmarer, Global Research Director der Experton Group.

Am Montag, dem 6. September, gab Oracle bekannt, dass Mark Hurd als Co-Präsident im Unternehmen einsteigen wird. Daraufhin legte die Aktie am Dienstag um 5,76 Prozent zu, wodurch der Börsenwert von Oracle um fast 7 Milliarden Dollar in die Höhe ging.

In den folgenden Tagen versuchten die HP-Anwälte, diesen Schritt zu unterbinden, mit der Begründung, dass “Herr Hurd unweigerlich HP-Geschäftsgeheimnisse verraten würde”. Der Rechtsstreit zeigt, wie hilflos Hurds früherer Arbeitgeber der Situation gegenübersteht. Oracles Marktkapitalisierung legte noch in derselben Woche weiter zu und HP verlor, so dass die Differenz in einer Woche 15 Milliarden Dollar erreichte.

Oracle-Chef Larry Ellison goss weiteres Öl ins Feuer: “HP war für Oracle lange Zeit ein wichtiger Partner. Durch diesen rachsüchtigen Rechtsstreit gegen Oracle und Mark Hurd zeigt der HP-Vorstand seine große Missachtung dieser Partnerschaft sowie die fehlende Wertschätzung der gemeinsamen Kunden, der eigenen Aktionäre und Mitarbeiter. Die HP-Führung macht eine weitere Zusammenarbeit zwischen Oracle und HP im IT-Markt praktisch unmöglich.”

Das ist allerdings erst der Anfang des großen Krieges zwischen den wichtigen Technologie-Anbietern, denn es gibt nicht genug gewinnträchtige Marktbereiche, die allen das Überleben sichern könnten. Dabei geht es nicht nur darum, dass die Großen im Markt die Kleinen schlucken – vielmehr wird der Kampf um Spitzentalente, wichtige Marktsegmente und die Zukunftsfähigkeit auch dazu führen, dass es zu einer weiteren Konsolidierung unter den “Big Playern” kommt. Letztendlich will Oracle HP die besten Mitarbeiter und Kunden und – wie die Vergangenheit des Anbieters vermuten lässt – auch die Aktionäre wegschnappen. Oracle und Larry Ellison sind hier also keineswegs die “Guten”, und diese offenkundigen, eindeutigen Handlungen sind eine offizielle Kriegserklärung an HP.

Für Mark Hurd dagegen ist nach wie vor IBM der stärkste Rivale. “Ich bin davon überzeugt, dass Oracles Strategie, Software mit Hardware zusammenzubringen, Oracle in die Lage versetzen wird, IBM sowohl im Segment der Enterprise-Server als auch des Enterprise-Storage zu schlagen”, ließ er verlauten. “Exadata ist nur der Anfang. Wir haben ein paar tolle neue Systeme, die noch im September auf der Oracle OpenWorld vorgestellt werden.”

Hurd ist für seine operative Stärke bekannt, aber auch für sein Akquisitionstalent (unter anderem Mercury, EDS und 3Com). Die Experton Group geht davon aus, dass Oracle unter seiner Führung auch in Zukunft eine aggressive Akquisitionsstrategie verfolgen wird. Wahrscheinlich entsteht dadurch ein weiterer ernsthafter Rivale für die Anbieter von Storage-, Server- und Netzwerk-Ausrüstung. Oracle verfügt über etwa 20 Milliarden Dollar an flüssigen Mitteln und Wertpapieren. Dadurch gehen die Kursaufschläge für kleinere Technologieanbieter – wie HP ja bereits mit dem Aufschlag für 3PAR gezeigt hat – in die Höhe.

Luis Praxmarer

ist CEO der Experton Group LLC in USA, der Experton Group FZ-LLC in Dubai, Mitgründer und Global Research Director der Experton Group. Er ist anerkannter Experte für den Einsatz neuer Informationstechnologien und zukünftiger Trends des weltweiten IT-Marktes. Hierbei beschäftigt er sich insbesondere mit den Themen Innovationsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit der IT als Beitrag zum Unternehmenserfolg und des Einflusses auf die globale Wettbewerbsfähigkeit von Regionen und Ländern.

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