Wie viel Cloud steckt wirklich in Cloud-Lösungen?

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Cloud-Computing-Technologien nehmen schnell an Fahrt auf, sie bieten der Wirtschaft, aber auch der öffentlichen Hand riesige Wachstums- und Innovationschancen. Microsoft-Chef Steve Ballmer ließ vor kurzem verlauten, dass “ab 2012 über 90 Prozent der Microsoft-Entwickler sich mit Cloud-Applikationen und -Technologien beschäftigen werden.” Ein Artikel von Dr. Carlo Velten, Senior Advisor der Experton Group.

Alle ICT-Anbieter wissen, dass der Paradigmenwechsel ansteht, und wollen verstehen, wie sich dieser Wandel auf ihre Angebote auswirkt, welche Risiken und Chancen sich daraus ergeben.

Bei den Anwenderorganisationen sieht das anders aus: Vielen ist noch nicht klar, welch drastische Veränderungen der Wechsel zum Cloud Computing nach sich ziehen wird und anstatt Klarheit zu bringen, vernebeln die Marketing-Botschaften der Anbieter das Bild noch mehr und es macht sich Unsicherheit breit. Gar zu viele Anbieter übermalen ihr gesamtes Angebot einfach mit dem Cloud Label; andererseits meint man in vielen IT-Abteilungen, dass ein bisschen Servervirtualisierung schon Cloud Computing ist.

Wie viel Cloud steckt also wirklich in einem Cloud-Angebot? Die gebräuchlichste Definition von Cloud Computing ist die des NIST
– des National Institute of Standards and Technology, Information Technology Laboratory. Dieser Definition zufolge weist das Cloud-Modell fünf Hauptmerkmale auf und besteht aus drei Service-Modellen (IaaS, PaaS, SaaS) sowie vier Nutzungsmodellen (Private, Public, Community, Hybrid). Das ‘Cloudiness Assessment’ der Experton Group konzentriert sich auf die fünf Hauptmerkmale:

  1. On-Demand Self-Service: Ein Nutzer kann einseitig Computerfunktionen wie Serverzeit und Netzwerkspeicher, ganz nach Bedarf automatisch abrufen, ohne mit den jeweiligen Dienstleistern persönlich Kontakt aufnehmen zu müssen.

  2. Breiter Netzwerkzugang: Die Funktionen werden über das Netzwerk zur Verfügung gestellt; der Zugriff erfolgt über Standardmechanismen, die den Einsatz heterogener Thin- beziehungsweise Thick-Client-Plattformen fördern (zum Beispiel Mobiltelefone, Notebooks, PDAs).

  3. Resource Pooling: Die Ressourcen des Anbieters werden in einem Pool angeboten, der mehrere Kunden über ein multimandantenfähiges System versorgt; verschiedene physische und virtuelle Ressourcen werden je nach Einzelbedarf dynamisch zugewiesen und neu zugeordnet. Der Kunde fühlt sich insofern standortunabhängig, als er normalerweise nicht weiß, wo sich die vorgehaltenen Ressourcen genau befinden und dies auch nicht steuern kann; eventuell kann der Standort auf einer höheren Abstraktionsebene spezifiziert werden (zum Beispiel Land, Bundesstaat oder Rechenzentrum). Ressourcen in einem solchen Pool sind beispielsweise Speicherplatz, Prozessorleistung, Arbeitsspeicher, Netzwerkbandbreite oder virtuelle Maschinen.

  4. Hohe Elastizität: Die Funktionen können schnell und elastisch, in manchen Fällen automatisch bezogen werden; damit wird eine schnelle horizontale Hochskalierung (Scale-out), eine schnelle Bereitstellung und ein schnelles Zurückfahren (Scale-in) gewährleistet. Für den Kunden sieht das oft so aus, als ob ihm unbegrenzte Möglichkeiten bereitgestellt werden, die jederzeit und in jedem gewünschten Umfang gekauft werden können.

  5. Service-Messung: Cloud-Systeme verfügen auf einer bestimmten Abstraktionsebene, die vom Servicetyp (zum Beispiel Storage, Prozessorleistung, Bandbreite oder aktive Nutzerkonten) abhängig ist, über eine Zählmöglichkeit, anhand der die Ressourcennutzung automatisch kontrolliert und optimiert wird. Die Ressourcenauslastung kann überwacht, gesteuert und gemeldet werden, was sowohl dem Anbieter als auch dem Kunde, der den jeweiligen Service nutzt, mehr Transparenz verschafft.

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