Kinderpornographie fließt über P2P-Netzwerke

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Der Kampf gegen Kinderpornographie im Internet steht erst am Anfang. Das ist auf dem Symposium des ‘Bündnis White IT’ in Hannover deutlich geworden. In vielen Fällen müssen sich die Bündnispartner erst einmal eine Grundlage für die weiter Arbeit schaffen.

“Wir wollen nicht darüber reden, was nicht geht, sondern konkrete Schritte erarbeiten”, sagt Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann in seiner Keynote-Rede. Er hat das Bündnis vor einem Jahr ins Leben gerufen. “Es geht nicht darum, so schnell wie möglich sensationelles zu verkünden, sondern um ein ganzheitliches Konzept.” Er sei optimistisch, dass die Arbeit des Bündnis White IT erfolgreicher sein werde, als bisherige Versuche im Kampf gegen Kinderpornographie im Internet, betonte der Minister auch im Video-Interview mit silicon.de.

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Nach Schünemanns Worten gibt es bislang keine vergleichbare Vereinigung in Europa. Denn im Bündnis White IT haben sich nicht nur Unternehmen aus der IT-Wirtschaft – darunter auch wir von CBS Interactive – zusammengeschlossen, sondern auch Wissenschaftler und Ermittlungsbehörden engagieren sich.

Bislang hat die Arbeit der Partner vor allem ein Ergebnis gebracht: Im Kampf gegen Kinderpornographie stehen Politik, Wirtschaft und Wissenschaftler erst ganz am Anfang – und nur wenig ist so, wie man es bislang vermutete.

“Viele sprechen über Kinderpornographie, aber noch immer gibt es zu dem Thema keine Grundlagenforschung”, sagt Professor Bernd-Dieter Meier, Direktor des Kriminalwissenschaftlichen Instituts an der Leibniz Universität Hannover. Sein Institut arbeitet derzeit deshalb an einer Studie, die sich mit der Herstellung und Verbreitung von Kinderpornographie im Internet beschäftigt. Erste Ergebnisse wurden jetzt in Hannover vorgestellt.

Demnach zeichnen sich zwei zentrale Punkte ab: Kinderpornographische Inhalte werden im Internet in erster Linie über P2P-Netzwerke ausgetauscht. Geld spielt in dieser Szene aber offensichtlich kaum eine Rolle. “Es gibt einen Markt im Sinne eines Umschlagplatzes, aber keinen Geldmarkt, sagt Professor Maier.

In den zahlreichen Diskussionsrunden des Symposiums wurde die Studie aber auch durchaus kritisch diskutiert. Im Mittelpunkt standen dabei in erster Linie empirische Fragen. Denn Grundlage für die Erhebung sind Zahlen der Ermittlungsbehörden in Niedersachsen. Insgesamt wurden 81 Verfahren wegen Kinderpornographie untersucht. Aufgrund dieser vergleichsweise kleinen Datenbasis, sei der Blickwinkel eingeschränkt, sagen Kritiker. Vor allem vor dem Hintergrund, dass – da waren sich alle Symposium-Teilnehmer einig – der Kampf gegen Kinderpornographie im Internet international geführt werden muss.