SAP-Software: “Schlecht gewartet”

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Zwei neue Studien geben zum Einsatz von SAP-Software in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) Auskunft. Nach einer Untersuchung von Accenture werden SAP-Landschaften schlecht gewartet. Bei Großunternehmen in Österreich und der Schweiz hat Walldorf noch Umsatzpotenzial, sagt RAAD Research.

Accenture hat in der Studie ‘Optimierung von SAP-Systemlandschaften’ ermittelt, dass viele Unternehmen die Wartung der SAP-Landschaft über Jahre vernachlässigt haben. Für die Studie wurden IT-Verantwortliche von 101 Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern aus Deutschland, Österreich und Schweiz befragt. Die Firmen verwenden SAP-Software, um Geschäftsabläufe wie Kundenbeziehungsmanagement, Personalverwaltung und Rechnungswesen zu steuern.

In den vergangenen Jahren sind die Landschaften aus SAP- Systemen und -Anwendungen in vielen Unternehmen demnach wesentlich komplexer geworden – ohne dass sie dabei ausreichend gewartet und abgestimmt wurden. Immer neue Anwendungen wurden installiert, Module hinzugefügt. Durch Integration von Standorten, Partnern und aufgekauften Firmen hätten Unternehmen häufig parallele Systeme aufgebaut, hieß es. In drei Viertel der Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern gebe es heute bereits mehrere zentrale SAP-Systeme. Bei einigen seien es sogar mehr als 50 SAP-Systeme.

Grafik: Accenture
Grafik: Accenture

Durch Konsolidierung ließe sich die Leistungsfähigkeit der Systeme deutlich steigern, so Accenture. “Heterogene SAP-Landschaften haben zwei große Wettbewerbsnachteile für Unternehmen”, sagte Jan-Henning Krumme, Geschäftsführer für den Bereich SAP bei Accenture. “Erstens verursachen sie höhere Kosten als nötig für Betrieb und Wartung. Zweitens machen sie ein Unternehmen unbeweglicher. Es kann daher langsamer in neue Geschäftsfelder und Märkte expandieren.” Zwei Drittel der IT-Verantwortlichen hätten das erkannt. Doch nur etwa jeder Dritte plane, Abhilfe zu schaffen.

Wichtige Ergebnisse der Studie, die bei Accenture Deutschland bezogen werden kann, lauten:

  • 62 Prozent der Befragten halten es für geboten, Geschäftsprozesse zu vereinheitlichen, die von SAP-Anwendungen unterstützt werden.

  • 51 Prozent sehen den Bedarf, die in den Systemen hinterlegten Geschäftsdaten zu harmonisieren.

  • 44 Prozent halten eine technische Konsolidierung für erforderlich, also das Zusammenlegen von Rechenzentren und die Migration zu Mehrmandanten-Systemen.

Doch planen nur wenige Befragte, die Optimierung in den kommenden 24 Monaten auch anzugehen:

  • 31 Prozent wollen Prozesse vereinheitlichen.

  • 29 Prozent planen Daten zu harmonisieren.

  • 22 Prozent wollen Rechenzentren und Server konsolidieren.

Die Hindernisse bei der Entschlackung der SAP-Systemlandschaft sind laut den befragten IT-Verantwortlichen:

  • der zu erwartende hohe Aufwand (53 Prozent),

  • fehlendes Budget (49 Prozent),

  • Widerstände der Geschäftebereiche (47 Prozent), deren Prozesse betroffen sind.

Auf der Suche nach Umsatzquellen hat SAP in den vergangenen Jahren vor allem den Mittelstand ins Visier genommen. Im Großkundengeschäft (Unternehmen mit mehr als 5000 Mitarbeitern) gibt es in Deutschland kaum noch Unternehmen, die ohne SAP-Software arbeiten – in Österreich und der Schweiz dagegen schon. Dies ergab die Analyse ‘SAP-Markt DACH – Status und Potenziale’ von RAAD Research.