WikiLeaks sucht eine neue Internet-Heimat

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Die Enthüllungsplattform WikiLeaks hat den Zugang zu ihrem bisherigen US-Server verloren und sucht jetzt eine neue Internet-Heimat in Europa. Hintergrund: Das US-Internetunternehmen Amazon hat die WikiLeaks-Dokumente von seinen Servern verbannt.

Die Internet-Aktivisten hatten bei der Veröffentlichung der geheimen diplomatischen US-Depeschen auf den Amazon Web Service (AWS) zurückgegriffen. “Amazon Server abgedreht”, schrieben die WikiLeaks-Macher nun bei Twitter und warfen dem US-Dienstleister einen Verstoß gegen die Redefreiheit vor. Sie kündigten an, sich einen europäischen Server zu suchen.

Der unabhängige US-Senator Joe Liebermann hatte am Mittwoch in Washington mitgeteilt, dass Amazon sein Büro am Morgen informiert habe, dass WikiLeaks nicht länger seine Server nutzen dürfe.

“Ich hätte mir gewünscht, dass Amazon diese Maßnahme früher ergreift angesichts der vorherigen Veröffentlichungen klassifizierter Informationen durch WikiLeaks”, erklärte Liebermann. Das Abwenden des Unternehmens von WikiLeaks solle anderen Unternehmen als Beispiel im Umgang mit dem Enthüllungsportal dienen, sagte der Senator. Keine verantwortungsbewusste Firma in den USA oder anderswo sollte WikiLeaks helfen, die gestohlenen Informationen zu verbreiten, welche “die nationale Sicherheit aufs Spiel setzen und Leben rund um die Welt gefährden”.

WikiLeaks hatte sich mit einem Umzug in die Amazon-Cloud auch gegen mögliche Attacken auf seine technische Infrastruktur wappnen wollen: Seit der Veröffentlichung der ersten Geheimdokumente hatten Hacker immer wieder versucht, WikiLeaks mit einem sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS) lahmzulegen.

Amazon besitzt die Kapazitäten, um derartige Angriffe zu kompensieren. Laut Angaben von WikiLeaks wurden die Server mit bis zu 10 Gigabit pro Sekunde geflutet.

Amazon habe die Nutzung seiner Server durch WikiLeaks gestoppt, nachdem Mitarbeiter von US-Senator Joe Lieberman Nachforschungen angestellt hätten, berichtete der US-Fernsehsender CNN unter Berufung auf das Büro Liebermans. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz hatte Amazon mit einem Boykott gedroht, berichtete der britische Guardian.