Siemens verkauft SIS

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Der Siemens-Konzern will die IT-Tochter ‘Siemens IT Solutions and Services’ (SIS) für 850 Millionen Euro an den französischen IT-Dienstleister Atos Origin verkaufen. Siemens wird Atos-Origin-Aktionär und Atos Origin der größte Lieferant von IT-Services für Siemens. Die IG Metall äußert sich zustimmend.

Durch diese Transaktion entstehe ein IT-Dienstleister mit einem Gesamtumsatz von rund 8,7 Milliarden Euro und weltweit 78.500 Mitarbeitern, der in 42 Ländern vertreten sei, teilten Thierry Breton, CEO von Atos Origin, und Peter Löscher, CEO von Siemens, auf einer Pressekonferenz in Paris mit. “Wir sehen uns derzeit als Nummer zwei – unser Hauptkonkurrent ist IBM“, sagte Breton.

Löscher und Breton, Bild: Screenshot
Löscher und Breton, Bild: Screenshot

Atos Origin sei traditionell vor allem im Süden und Westen Europas präsent, SIS dagegen im Norden und Osten. Die Kombination der beiden Unternehmen sei “ein perfekter Match mit wenig Überlappungen”. Der “neue” IT-Dienstleister sei keine französische oder deutsche Firma, sondern eine europäische. Die Behörden, die französischen Arbeitnehmer und die Atos-Origin-Aktionäre müssten noch zustimmen – hier erwarte er keine Probleme, sagte Breton. Die Transaktion werde voraussichtlich im Juli 2011 abgeschlossen. “Wir schaffen einen europäischen Champion”, sagte Löscher. Die Gespräche über den Verkauf hätten vor sechs Monaten begonnen. SIS und Atos Origin hätten die gleichen Unternehmenswerte und die gleiche Unternehmenskultur, so Löscher.

Nach Angaben von Breton und Löscher beteiligt sich Siemens für mindestens fünf Jahre mit einem Aktienanteil von 15 Prozent an Atos Origin. Im Zuge der Transaktion erhält Siemens rund 12,5 Millionen neue Atos-Origin-Aktien mit einem aktuellen Wert von 414 Millionen Euro, eine fünf Jahre laufende Wandelanleihe über 250 Millionen Euro sowie eine Zahlung von rund 186 Millionen Euro in bar.

Siemens wird SIS ohne Verbindlichkeiten und Liquidität übertragen – einschließlich vorhandener Pensionsverpflichtungen, deren Finanzierung der Konzern sichern will. Zudem übernimmt Siemens die finanzielle Absicherung von Risiken, die zum geplanten Abschluss der Transaktion noch nicht absehbar sein könnten.

SIS wird im Rahmen des Geschäftes rund 1750 Arbeitsplätze abbauen, 650 davon in Deutschland. Betroffen seien vor allem Stellen in Verwaltungs- und Zentralfunktionen, hieß es. Siemens kündigte an, bis zu 250 Millionen Euro für “Integrationskosten und Weiterbildungsmaßnahmen” zur Verfügung stellen.

Die IG Metall äußerte sich positiv zu den Plänen. Für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat und die IG Metall habe stets ein tragfähiges industrielles Konzept für SIS im Vordergrund gestanden. “Ein derartiges Konzept ist nach ihrer Einschätzung auf Basis der derzeit vorliegenden Informationen gegeben.”

Die IG Metall und Gesamtbetriebsrat erwarteten jetzt, dass die bestehenden Tarifverträge und Vereinbarungen eingehalten würden. Komme es zu “Stellenanpassungen”, gingen IG Metall und der Gesamtbetriebsrat davon aus, dass die Regelungen, die bei der SIS-Ausgliederung vereinbart wurden, “uneingeschränkt eingehalten werden”.

Atos Origin bekommt als Teil der Transaktion von Siemens einen Outsourcing-Vertrag für die nächsten sieben Jahre in Höhe von 5,5 Milliarden Euro. Der französische Dienstleister übernimmt dafür den weltweiten Betrieb der Siemens-IT-Infrastruktur und -Anwendungen. Für die Entwicklung von IT-Produkten und -Lösungen wollen Atos Origin und Siemens zudem jeweils 50 Millionen Euro investieren. Atos Origin soll – gemessen am Umsatz – einer der führenden…