LTE: In fünf Jahren flächendeckend

EnterpriseMobileNetzwerkeTelekommunikation

In fünf Jahren steht 80 Prozent der deutschen Bevölkerung eine LTE-Infrastruktur zur Verfügung, sagt der Berater Booz & Company. LTE (Long Term Evolution) ist ein Mobilfunkstandard, der UMTS ablösen wird.

Deutsche Mobilfunkbetreiber starten aktuell mit ersten Diensten auf der Grundlage der LTE-Technik. Die markiert den Beginn einer neuen Phase der Telekommunikation: Das Mobilfunknetz der vierten Generation wird laut Booz & Company bereits 2015 zirka 80 Prozent der Bevölkerung einen mobilen Internetzugang mit Bandbreiten von bis zu 100 MBit/s zur Verfügung stellen.

Bereits heute sind in Deutschland einige hundert LTE-Sendestationen in Betrieb, bis zum Frühjahr werden es bis zu 5000 Stationen sein. Die Mobilfunknetzbetreiber beschleunigen den LTE-Rollout in den ländlichen Regionen, um bis Ende 2011 gemäß Regulierungsauflage die weißen Flecken der Breitbandversorgung zu schließen. Die Versorgung der ländlichen Regionen ist Voraussetzung für den weiteren LTE-Netzausbau in Ballungszentren. Insgesamt 4,38 Milliarden Euro haben die Mobilfunknetzbetreiber in die Ersteigerung der Frequenzen investiert. Weitere Ausgaben in Höhe von 3 bis 4 Milliarden Euro werden in den nächsten vier Jahren für den flächendeckenden Basisaufbau des LTE-Netzes nötig sein.

Dr. Roman Friedrich, Bild: Booz & Company
Dr. Roman Friedrich, Bild: Booz & Company

Hatten die Mobilfunknetzbetreiber bei der Einführung von UMTS die Bedeutung der Verfügbarkeit kostengünstiger Endgeräte unterschätzt, arbeiten sie heute sehr eng mit den Herstellern von Endgeräten und zugehörigen Chipsets zusammen. “LTE wird nach unserer Analyse deutlich schneller Transaktion im Markt erhalten als dies bei UMTS der Fall war”, sagt Dr. Roman Friedrich, Partner und TK-Experte bei Booz & Company. Dabei konzentriert sich die Entwicklung passender Endgeräte zunächst auf Produkte und Tarife zur Nutzung mit Computern. Erste Versionen von Computer-Sticks stehen bereits heute kommerziell zur Verfügung. Im kommenden Jahr werden erste Smartphones mit LTE-fähigen Chips ausgerüstet sein – anfangs im Hochpreissegment und spätestens 2014 im Massenmarkt.

Die LTE-Tarifmodelle werden laut Booz & Company komplexer und sich stärker nach Geschwindigkeiten, Bandbreiten und wahrscheinlich auch Inhalten differenzieren. Mit den neuen LTE-Tarifen, die die heute vorherrschenden Flatrate-Tarife langfristig substituieren werden, könnten die Netzbetreiber nach diesen Angaben 2015 in Deutschland ein Umsatzvolumen von 5 bis 6 Milliarden Euro erlösen. “Wir sehen mittelfristig eine grundlegende Veränderung von Tarifmodellen. Flatrates werden an Bedeutung verlieren und eine verstärkte preisliche Staffelung von Tarifen steht zu erwarten”, so Friedrich. Diese werde zum einen am Datenvolumen ansetzen, so wie es bei Festnetztarifen bereits üblich sei, aber sehr wahrscheinlich auch unterschiedliche Service Level umfassen. Grundlage für die Tarifstaffelung sei die Fähigkeit der Netzbetreiber, die Inhalte im LTE-Netz zu differenzieren und zu priorisieren. Das ziele insbesondere auf Geschäftskunden, die bereit sein sollten, unterschiedliche Service Level je nach Dienst zu bezahlen.

Gleichzeitig weist Booz & Company auf eine Bedrohung im Kerngeschäft der Netzbetreiber hin: So müssten diese bei der Gestaltung neuer Tarifmodelle vor allem darauf achten, ihre Umsätze und Margen im bisherigen Kerngeschäft Sprachtelefonie so lange wie möglich zu halten. Denn Telefonate im LTE-Netz würden zunehmend als Internettelefonie (Voice over IP) erfolgen und könnten im Rahmen einer Datentarifes abgerechnet werden. Hierzu müssten Netzbetreiber Modelle und Tarife entwickeln müssen, die eine zu schnelle Kannibalisierung der traditionellen Umsätze bei der Sprachtelefonie verhindern.

Die prognostizierte Entwicklung der Tarifmodelle sei eine der Voraussetzungen dafür, dass die Netzbetreiber künftig ihre Investitionen in den Netzausbau refinanzieren könnten. Aufgrund des Booms der mobilen Apps und Videos sei auch langfristig mit einem weiter steigenden Datenvolumen zu rechnen, so dass die Netzbetreiber sehr wahrscheinlich auch über 2015 in den weiteren Netzausbau investieren werden müssten. Um die theoretisch maximale Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 MBit/s auch nur annähernd real verfügbar zu machen, werde es eines sehr engmaschigen Netzes bedürfen, das weit über das hinausgeht, was derzeit im Rahmen des initialen Ausbaus vorgesehen sei.