Das war 2010: iPad, Apotheker, SIS

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Das war das IT-Jahr 2010 – die silicon.de-Redaktion hat in der Jahresrückschau die wichtigsten Ereignisse zusammengefasst. Von der CES im Januar, über “Antennagate” im Juli bis hin zur WikiLeaks-Affäre im Dezember.

Das IT-Jahr 2010 begann mit der CES
(Consumer Electronics Show). Die großen Trends 2010 lauteten Flachbildschirme, Blue-ray, 3D (gerne alle drei in Kombination), raffinierte Notebook-Hybride und mit dem Internet verbundene Devices aller Art. Im Umfeld der CES wurde auch das Google-Handy Nexus One offiziell vorgestellt. SAP reagierte im Januar mit einem neuen gestaffelten Support-Modell auf den andauernden Widerstand der Anwender gegen den obligatorischen Enterprise Support. Die EU winkte den Zusammenschluss von Oracle mit Sun Microsystems durch. Apple-CEO Steve Jobs stellte Ende Januar einen lange erwarteten Tablet-Rechner vor: das iPad.

Kaum hatte sich die Aufregung um das iPad etwas gelegt, preschte Google im Februar mit einer eigenen Tablet-Studie vor. Völlig überraschend kam die Nachricht, dass SAP-Chef Léo Apotheker zurücktritt. Europas größter Softwarekonzern wird seitdem von einer Doppelspitze geführt, bestehend aus Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe. Microsoft stellte im Februar sein neues mobile Betriebssystem Windows Phone 7 vor.

Anfang März eröffneten Bundeskanzlerin Merkel und der spanische Ministerpräsident Zapatero die CeBIT. Im Vorfeld gab es geteilte Meinungen, ob sich die Messe als Leitmesse für die ITK-Branche behaupten kann. Die Veranstalter zogen ein positives Fazit und informierten gleichzeitig über die CeBIT 2011. Der Laser wurde im März 50 Jahre alt. Das Prinzip des Lasers wurde Anfang des 20. Jahrhunderts durch Albert Einstein bekannt gemacht. Vor rund 50 Jahren, im Mai 1960, präsentierte der US-Physiker Theodore Maiman der Öffentlichkeit das erste funktionierende Gerät. Auf diesen Knall hatte die Forschung jahrelang gewartet – immer wieder zögerten Pannen das Experiment hinaus. Doch Ende März war es soweit. Im Large Hadron Collider (LHC) am CERN in Genf krachten die Protonen mit Rekordgeschwindigkeit aufeinander.

Im April kam das iPad in die Läden. Das Interesse an dem neuen Tablet-PC schien noch größer zu sein als für das iPhone oder den iPod. So sollen in New York doppelt so viele Menschen in der Schlange gestanden haben wie bei den Verkaufsstarts der beiden anderen Bestseller. Im chinesischen Shanghai öffnete die Weltausstellung EXPO. Motto: “Better City, Better Life”. SAP-CTO Vishal Sikka erklärte im Gespräch mit silicon.de, warum er das Glas lieber als halb voll ansieht. Der April wird auch durch eine Katastrophe im Gedächtnis bleiben: die Explosion der Ölbohrinsel Deepwater Horizon.

Im Mai kam in den USA – knapp einen Monat nach dem iPad mit WiFi – das zweite iPad-Modell auf den Markt: Das iPad mit 3G. SAP ‘mobilisierte’ sich mit der Übernahme von Sybase. Der Bund kassierte in der Auktion der Mobilfunkfrequenzen 4,4 Milliarden Euro.

Der Juni stand wieder ganz im Zeichen von Apple. CEO Steve Jobs stellte auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) in San Francisco das iPhone 4 offiziell vor. Am 22. Juni 1910 wurde der Computer-Erfinder Konrad Zuse geboren – Grund zum Feiern.

“München braucht eine große IT-Messe”, sagte im Juli Bayerns CIO Franz Josef Pschierer gegenüber silicon.de. Microsofts neuer Deutschland-Chef Ralph Haupter betonte, durch den Wechsel vom COO zum CEO habe sich für ihn vieles geändert – einiges habe ihn selbst überrascht. Die Empfangsprobleme des iPhone 4 entwickelten im Juli eine ungeahnte Eigendynamik und wurde als “Antennagate” bezeichnet.

Anfang August stürzte der erfolgsverwöhnte Mark Hurd von der Spitze des größten PC-Herstellers der Welt in die Niederungen der Klatsch-Presse. Falsche Spendenquittungen und eine Affäre, die plötzlich doch keine gewesen sein soll, beendeten Hurds fünfjährige Karriere als CEO von HP. Oracle sah Java-Patente und Urheberrechte durch Googles Android verletzt und klagte gegen Google.

Im September blickt die IBM-Datenverarbeitung auf 120 Jahre Entwicklungsarbeit zurück.
Intel, Oracle oder SAP suchte man auf der Ausstellerliste der IFA (3. bis 8. September) vergebens. Präsent waren jedoch Microsoft und IBM. SAP teilte mit, bereits Tausende iPads einzusetzen und Oracle stellte Mark Hurd ein. Intel Braunschweig wurde zehn Jahre alt.

Die Deutsche Oracle-Anwendergruppe e.V. (DOAG) forderte Oracle im Oktober dazu auf, die Lizenzbedingungen für den Einsatz von Virtualisierungslösungen nachzubessern. Im Interview mit SAP-Co-CEO Jim Hagemann Snabe kostete silicon.de den Cocktail “Unwired Enterprise”. Das neue Mixgetränk könnte auch dem Anwender schmecken. Ray Ozzie, Chief Software Architect bei Microsoft, erklärte überraschend seinen Rücktritt. Zudem wurde die Anwendergruppe ‘Fujitsu NEXT’ gegründet.

Im November lud Google Entwickler nach München ein, 1200 kamen. Im Streit mit SAP um TomorrowNow ließ Oracle nach dem Verbleib des frisch berufenen HP-CEO Léo Apotheker fahnden, um ihn vor Gericht zu befragen. Ende des Monates entschied das Gericht für Oracle: TomorrowNow kostet SAP 1,3 Milliarden Dollar. Auch im November: Novell verkaufte sich an Attachmate. Die Kartellwächter der EU leiteten ein Missbrauchsverfahren gegen Google ein. Untersucht wird nach Angaben der Brüsseler Wettbewerbshüter, ob Google seine marktbeherrschende Stellung bei der Online-Suche missbraucht haben könnte.

SAP brachte im Dezember die In-Memory-Technologie HANA (High-Performance Analytic Appliance) auf den Markt. Die Plattform WikiLeaks stellte geheime Dokumente von US-Diplomaten ins Netz. Dr. Joseph Reger, Chief Technology Officer bezeichnete das Verhalten der USA in dieser Sache als Übersprungshandlung. Amazon habe dem Cloud Computing einen Bärendienst erwiesen. Google kündigte im Dezember den Nachfolger seines Smartphones Nexus an – das in Zusammenarbeit mit Samsung entwickelte Nexus S. Siemens teilte mit, die IT-Tochter ‘Siemens IT Solutions and Services’ (SIS) für 850 Millionen Euro an den französischen IT-Dienstleister Atos Origin zu verkaufen.