PLM setzt sich durch

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Nach Angaben von RAAD Research ist das Produkt-Lebenszyklus-Konzept in Unternehmen der deutschen Fertigungsindustrie inzwischen weit verbreitet. In mehr als der Hälfte der Unternehmen existiert demnach eine unternehmensweit einheitliche Strategie hierzu.

Grafik: RAAD
Grafik: RAAD

Dies ergab eine Studie, die RAAD Research im August und September 2010 in Zusammenarbeit mit Contact Software bei Unternehmen der deutschen Fertigungsindustrie durchgeführt hat. Insgesamt gaben über die Hälfte (56 Prozent) der Unternehmen an, über eine Strategie zum Produkt-Lebenszyklus-Management zu verfügen. Knapp ein Drittel (31 Prozent) teilten mit, dass sie bisher nur teilweise eine solche Strategie im Unternehmen verankert hätten, nicht alle relevanten Abteilungen des Unternehmens seien in diese Strategie mit einbezogen.

Unternehmen stehen heute unter enormen Wettbewerbsdruck. Sie beschreiten hierbei zwei Wege, den Weg der Effizienz und den Weg der Effektivität. Zum einen müssen Dinge “richtig”, also effizient, gemacht werden. Unternehmen sind immer auf der Suche nach Optimierungspotenzialen, um Kosten einzusparen. Diese können als Preissenkungen an die Kunden weitergegeben werden, um das eigene Produkt am Markt attraktiver zu machen.

Zum anderen müssen Unternehmen die “richtigen” Dinge tun, also ihre Effektivität stärken. Das bedeutet, Produkte am Markt anzubieten, die denen des Wettbewerbs überlegen sind – Kameras mit mehr Megapixeln, leichtere Fahrräder oder leistungsfähigere Motoren … Die Liste der Produktinnovationen ließe sich unendlich fortsetzen. Der globale Preis- und Innovationswettbewerb hat dazu geführt, dass Konsumenten heute bessere Produkte zu gleichen oder gar günstigeren Preisen bekommen, aber auch dazu, dass die Marktpräsenz von Produkten immer kürzer wird.

Autohersteller simulieren mit PLM virtuelle Fabriken. Bild: Siemens
Autohersteller simulieren mit PLM virtuelle Fabriken. Bild: Siemens

Digitalkameras und Mobiltelefone sind beispielsweise heute schon innerhalb von Monaten technologisch veraltet. Durch die verkürzte Marktpräsenz verringert sich die Zeitspanne, in der Unternehmen ihre Entwicklungs-, Fertigungsvorbereitungs- und Produktionskosten wieder einspielen und Gewinne erzielen können. Dies erhöht den Kosten- und Erfolgsdruck auf den gesamten Lebenszyklus eines Produktes deutlich. Die Zeit von der Idee bis zur Marktfähigkeit von Produkten beträgt vielfach nicht mehr Jahre, sondern nur Monate oder gar Wochen, wenn man beispielsweise an Apps für Smartphones denkt.

Um die vom Markt geforderte Geschwindigkeit einhalten zu können, ist eine intensive IT-Unterstützung entlang des Produktlebenszyklus in Unternehmen heute obligatorisch und in vielen Fällen ein strategischer Wettbewerbsfaktor. So stellt nicht nur das Wissen, wie man etwas konstruiert, einen Wettbewerbsvorteil dar, sondern auch das Wissen, wie man Konstruktion organisiert und informationstechnisch optimal unterstützt, so dass bei der Produktentwicklung mit minimalem Aufwand maximale Kundenvorteile erzielt werden können. Deshalb werden die informationstechnische Beherrschung und Optimierung entlang des Produktlebenszyklus heute größen- und branchenübergreifend in vielen Unternehmen als Kernkompetenzen angesehen.

Das Konzept des Produkt-Lebenszyklus-Managements bietet hierfür einen durchgängigen Ansatz hinsichtlich der notwendigen Integration von Prozessen, Applikationen, Daten und
Dokumenten, mit dem Ziel, dass ein Produkt über den gesamten Produktlebenszyklus minimale Kosten bei maximalem Kunden- und Herstellernutzen erzeugt.

Die RAAD-Befragung zeigt, dass das Thema bei Unternehmen der Fertigungsindustrie bereits eine hohe Aufmerksamkeit genießt und dass in vielen Firmen das Product Lifecycle Management bereits strategisch verankert ist. Allerdings zeigt sich hierbei ein deutlicher Unterschied zwischen SAP-Kunden und Nicht-SAP-Kunden, beziehungsweise zwischen größeren und kleineren Unternehmen.

Während drei Viertel der befragten SAP-Kunden über eine unternehmensweite PLM-Strategie verfügen, sind dies bei Nicht-SAP-Kunden, die meist mittelständischer geprägt sind als SAP-Kunden, hingegen nur knapp 40 Prozent. Dies zeigt laut RAAD, dass mittelständische Unternehmen noch deutlichen Nachholbedarf haben, um langfristig im globalen Wettbewerb bestehen zu können.