Die IT-Trends 2011

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Nach dem Marktforscher Gartner hat nun auch IDC seine Prognose für das kommende Jahr vorgelegt: Predictions 2011: Welcome to the New Mainstream. Der Marktforscher sagt darin voraus, dass disruptive Technologien den bisherigen IT-Mainstream gehörig durcheinander wirbeln werden.

Transformation war in den vergangenen Jahren ein immer wiederkehrendes Thema in den Prognosen von IDC. In dieser Zeit entwickelten sich disruptive, den Markt verändernde Technologien, die von der Wirtschaftskrise geprägt waren. Nach Meinung von IDC werden diese Technologien – Cloud Services, Mobile Computing und Social Networking – 2011 und auch in den nachfolgenden Jahren weiter ausreifen und miteinander zu einer neuen Mainstream-Plattform für die IT-Branche zusammenwachsen.

Bild: Screenshot
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“Wir gehen davon aus, dass diese transformativen Technologien im Jahr 2011 die Pionierphase hinter sich lassen und den ersten Schritt in den Mainstream vollziehen”, sagte Frank Gens, Senior Vice President und Chef-Analyst bei IDC. “Im Zuge dieser Entwicklung konzentriert sich die IT-Branche verstärkt auf den Ausbau und die Nutzung dieser dominierenden Plattform der nahen Zukunft, mit mobilen, Cloud-basierten Applikationen und Services, ergänzt durch wertschaffende Social Business Applikationen und pervasive Analysemöglichkeiten. Diese Neustrukturierung eröffnet neue Märkte und bringt neue Chancen mit sich. Sie stellt aber auch alle Annahmen dahingehend auf den Kopf, wer in der Branche eine führende Rolle einnehmen wird und wie diese Marktführer ihre Führungsposition etablieren und festigen werden.”

Vorangetrieben wird dieser Plattform-Wechsel durch ein weiteres Jahr mit wieder solide steigenden IT-Ausgaben. Laut IDC-Prognosen werden sich die weltweiten IT-Ausgaben 2011 auf 1,6 Billionen US-Dollar belaufen, 5,7 Prozent mehr als 2010. Die Hardware-Ausgaben bleiben hoch (7,8 Prozent Zuwachs im Jahresvergleich), aber auch höhere Software-Investitionen (5,3 Prozent Zunahme) und damit zusammenhängende projektbasierte Services-Investitionen sowie Einkünfte aus dem Outsourcing-Geschäft (4 Prozent) werden für die IT-Branche immer wichtiger. Das globale IT-Geschäft profitiert zudem von einer schnelleren Erholung der Märkte in den Schwellenländern. Sie werden 2011 über die Hälfte aller weltweiten Netto-Neuinvestitionen generieren.

Die Wachstumsrate bei öffentlichen IT Cloud Services wird demnach mit 30 Prozent im Vergleich zu 2010 im Jahr 2011 mehr als fünfmal so hoch sein wie das Wachstum der IT-Branche insgesamt, denn immer mehr Unternehmensapplikationen wandern in die Cloud. Kleine und mittelständische Unternehmen werden sich 2011 verstärkt auf die Cloud stürzen. Gegen Jahresende beträgt die Nutzungsrate bei manchen Cloud-Angeboten in mittelständischen US-Firmen über 33 Prozent.

Auch das noch in den Kinderschuhen steckende Private-Cloud-Modell entwickelt sich weiter. Infrastruktur-, Software- und Diensteanbieter arbeiten hier gemeinsam an neuen Angeboten und Lösungen. Der Kampf der Anbieter um zwei “Machtpositionen” im Cloud-Computing-Markt geht weiter. Es geht darum, auf wessen Cloud-Plattform Lösungen zum Einsatz kommen und wer ein konsistentes, übergreifendes IT-Management über mehrere Public Clouds, kundenindividuelle Private Clouds und traditionelle IT-Umgebungen bieten kann.

Mobile Computing – mit unterschiedlichsten Geräten und einer Reihe neuer Applikationen – wird auch 2011 explosionsartige Wachstumsraten verzeichnen und bildet einen weiteren entscheidenden Bestandteil der neuen Plattform. IDC geht davon aus, dass in den nächsten 18 Monaten mehr mobile App-fähige Nicht-PC-Geräte (Smartphones, Media Tablets etc.) ausgeliefert werden als PCs, und es gibt in dieser Hinsicht kein Zurück. Anbieter, die ihre Wurzeln im PC-Geschäft haben, werden alles unternehmen, um in diesem schnell wachsenden Markt ihre Position zu sichern.

Der zweite Kampf findet um die Führungsrolle im Markt für mobile Applikationen statt. In diesem Markt werden die Aktivitäten nach Meinung der IDC-Experten schwanken. IDC geht davon aus, dass 2011 fast 25 Milliarden mobile Apps heruntergeladen werden; 2010 waren es gut zehn Milliarden. Das sich noch in der Entwicklung befindende Apps-Ökosystem dürfte nach und nach die Kanäle für digitale Inhalte und Dienste für Privatkunden von Grund auf neu strukturieren.

Im Laufe der vergangenen 18 Monate hat Social Business Software im Business-Umfeld an Fahrt aufgenommen. Dieser Trend wird auch 2011 anhalten. IDC prognostiziert bis 2014 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 38 Prozent. 2011 werden die großen Softwareanbieter spezialisierte Social Software Anbieter aufkaufen, um im Social-Business-Markt einen Fuß in die Tür zu bekommen beziehungsweise Marktanteile zu erhöhen. Diese Akquisitionsaktivitäten werden zur Konsolidierung des Marktes führen – ein sicheres Zeichen, dass Social Business sich zum Mainstream gewandelt hat. Im Segment für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) werden sich soziale Plattformen noch stärker durchsetzen: Bis zum Jahresende 2011 werden 40 Prozent dieser KMUs soziale Netzwerke für Werbezwecke nutzen.

In den kommenden Monaten wird sich also die neue Mainstream-IT-Plattform herausbilden. Für die IT-Anbieter entsteht nach IDC-Meinung eine Grundlage für das Geschäft mit neuen “intelligenten” Branchenlösungen. Im Einzelhandel führen Mobilitätsanwendungen und Social Networking schnell zu neuartigen Einkaufserlebnissen und damit zu einem neuen Einkaufsverhalten der Konsumenten: Sie nehmen ihr Smartphone mit in den Laden, vergleichen dort vor Ort die Preise und schauen sich Produktempfehlungen an. In der
Finanzdienstleistungsbranche rücken durch Mobilitätsanwendungen und Cloud Computing Mobile Banking und Mobile Payment der Realität ein Stück näher. Im Gesundheitswesen erwartet IDC, dass 14 Prozent der erwachsenen US-Amerikaner 2011 bereits Mobile Health Applikationen nutzen.

“Der wirkliche Unterschied im kommenden Jahr besteht darin, dass diese disruptiven Technologien miteinander integriert werden – Cloud mit Mobile, Mobile mit Social Networking, Social Networking mit großen Datenmengen und Echtzeitanalysen” so Gens weiter. “Diese ehemals ‘neuen’ Technologien können dann, was Investitionen und Management angeht, nicht mehr als eine Randerscheinung des Marktes und als isolierte ‘Sandboxes’ betrachtet werden; vielmehr entwickeln sie sich schnell zum eigentlichen Markt und müssen entsprechend adressiert werden.”