Dotcoms: Volkswirte verzweifelt gesucht

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Einst hatten Volkswirtschaftler nur eine Karrierechance bei Universitäten, Verbänden oder Behörden. Doch in jüngster Zeit haben sie die allerbesten Berufsaussichten bei den großen Dotcom-Firmen, wie Google, Yahoo oder E-Bay. Aus New York berichtet silicon.de-Korrespondent Harald Weiß.

Die Firmen haben entdeckt, dass Volkswirtschaftler die besten Voraussetzungen mitbringen, um die neuen Geschäftsmodelle in bestehende Business-Landschaften einzubetten.

Das allgemeine Vorzeigebeispiel ist der ehemalige Berkeley-Professor Hal Varian, der allgemein als Schöpfer von Googles Werbe- und Vermarktungsmodell gilt. “Die meisten Internet-Firmen haben inzwischen erkannt, dass Volkswirtschaftler ganz entscheidende Impulse für deren Geschäfts-Transformationen liefern können”, sagt Varian über seine Zunft. Bei Google ist er seit 2002 als fester Berater und seit 2007 fest angestellt. Außer ihm sind noch zehn weitere Volkswirtschaftler beschäftigt, die sich mit Makro-Ökonomie und volkwirtschaftlicher Statistik beschäftigen.

Kein Wunder also, dass vor allem die Dotcoms auf der Suche nach kreativen Volkswirtschaftlern sind, die in direkter Konkurrenz zu Google stehen. Allen voran Yahoo und Microsoft. Steve Ballmer höchstpersönlich flog nach Boston um die Harvard-Professorin Susan Athey für sein Online-Business abzuwerben. Aber auch Amazon und Facebook sind auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern aus dieser Disziplin und schrauben die Gehaltsangebote fortlaufend nach oben. Laut IDC
starten promovierte Volkswirte bei den Dotcoms inzwischen mit Jahresgehältern oberhalb von 130.000 Dollar.

Athey meint zu wissen, was die Volkswirte so besonders macht: “Volkswirtschaftler lernen es, mit immensen Datenbergen umzugehen und die Daten der Vergangenheit für zukünftige Entwicklungen abzuleiten.” Und genau das sei es, was im Zeitalter von Data Mining und zielgerechten Anzeigenwerbung besonders hoch im Kurs steht.

So wollen die Volkswirtschaftler bei Yahoo die Nuss knacken, wie man den Online-Werbetreibenden nachweisen kann, dass eine Online-Anzeige tatsächlich zu einem Offline-Einkauf geführt hat. Teamchef ist Preston McAfee, den sich das Unternehmen vom California Institute of Technology geholt hat. Seine zwölfköpfige Mannschaft hat langjährige Erfahrungen mit der Monte-Carlo-Methode und anderen stochastischen Analysemethoden.

Auch bei Google beschäftigt man sich inzwischen mit der Welt außerhalb des Internets. “Um Verkäufer und Käufer in der realen Welt zusammenzubringen, muss man herausfinden woher die Kunden kommen und wo die Verkäufer arbeiten”, sagt Varian über die gegenwärtigen Aufgaben bei seinem Arbeitgeber.

Er erinnert sich noch an seine ersten Tage bei Google, wo er als Consultant tätig war: “Eines Tages kam Eric Schmidt zu mir und sagte: ‘Werfe doch mal einen Blick auf diese Idee mit den Anzeigen-Auktionen'”. Er entwickelte daraufhin ein Computermodell, mit dem er verschiedene Verhaltens-Reaktionen simulieren konnte. Er nannte das Ergebnis eine “Positions-Versteigerung” und die Grundzüge seines Models sind bis heute unverändert – außer dass Google damit im letzten Geschäftsjahr 10,6 Milliarden Dollar an Werbeerlösen verbuchen konnte.