AMD setzt CEO Dirk Meyer ab

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Das Board habe sich mit Dirk Meyer, CEO von AMD, über dessen Rücktritt geeinigt. AMD will wieder wachsen und offenbar traut man es Meyer nicht mehr zu, das Unternehmen gewinnbringend zu führen.

Thomas Seifert, CFO des Intel-Konkurrenten AMD, wird kommissarisch die Leitung übernehmen bis ein neuer Chef für den Hersteller gefunden ist. Seifert sei aber nicht unter den möglichen Kandidaten, die das Board innerhalb und außerhalb des Unternehmens derzeit überprüft.

AMD macht wenig Hehl daraus, dass man Meyer nicht mehr sonderlich viel zutraut: “Das Board ist der Ansicht, dass wir die Möglichkeit haben in der nächsten Zeit den Shareholder Value zu steigern. Das bedeutet aber für das Unternehmen, dass es deutlich wachsen, Marktführerschaft anstreben und auch bessere Ergebnisse liefern muss. Wir glauben, dass ein Wechsel an der Spitze die Möglichkeiten des Unternehmens diese Ziele zu erreichen, beschleunigt.”

Meyer ist seit 2008 bei AMD als CEO tätig. Er hatte seit 1995 bei AMD verschiedene Posten stets mit technischem Fokus inne, bis er schließlich Hector Ruiz an der Spitze ablöste. Unter Meyers Führung konnte sich AMD finanziell erholen. Dafür war auch die außergerichtliche Einigung mit Intel verantwortlich, die dem angeschlagenen Hersteller im Herbst 2009 immerhin 1,25 Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Meyer verantwortete zudem die erfolgreiche Abtrennung der hauseigenen Chip-Produktion in das Spin-Off Globalfoundries. Jetzt trennt sich AMD von Meyer, der für seine Dienste neben einem Aktienpaket auch 8,6 Millionen Dollar erhält.

AMD-CEO Dirk Meyer fliegt aus dem Amt. Quelle: AMD
AMD-CEO Dirk Meyer fliegt aus dem Amt. Quelle: AMD

Meyers Rauswurf überrascht die Branche. Mit einem Umsatz für das vierte Quartal von 1,65 Milliarden Dollar übertrifft der Hersteller die Erwartungen der Analysten leicht. In den rund zweieinhalb Jahren als CEO hat er, wie eine AMD-Sprecherin erklärte, das Unternehmen “erfolgreich stabilisiert”, nachdem er in einer sehr schwierigen Situation die Führung übernommen hatte. Unter Meyer erholte sich auch der US-Aktien-Kurs des AMD-Papiers von 2 auf 9 Dollar.

Meyer muss nun vermutlich für die wenig zukunftsorientierte Strategie des Herstellers die Rechnung bezahlen. AMD hatte sich bislang aus Wachstumsmärkten wie Tablet-, Netbooks und Smartphones herausgehalten. Noch im Oktober letzten Jahres hatte Meyer erklärt, dass man lieber noch warten wolle, ob sich Tablets tatsächlich durchsetzen werden.

“Offen gesagt, wir sind noch immer so klein im Notebook-Markt, dass es für uns keinen Sinn macht, Dollars in Research und Development für den Tablet-Markt zu investieren. Wir werden damit anfangen, wenn dieser Markt groß genug ist.”

So hatte AMD Anfang 2009 die Imageon-Technologie, mit der AMD für Smartphones und Tablets in einigen Bereichen sogar vor den Konkurrenten Intel und Nvidia lag, an Qualcomm verkauft. AMD hatte sich unter Meyer zu sehr auf den PC- und Server-Markt verlassen. In beiden beiden Fällen aber hat sich längst Intel in diesem hochgradig gesättigten Markt eine unumstößliche Spitzenposition erobert.

Im Bereich Smartphones und Tablet-PCs hat auch Intel seine Probleme. So wurden beispielsweise auf der CES viele Modelle mit Nvidia ARM-Chips gezeigt. Die Intel-Adaptionen der Atom-CPU konnten die Hersteller von Tablets und Smartphones offenbar bislang nicht im großen Stil überzeugen. Dennoch ist Intel hier bereits deutlich weiter als AMD mit den Fusion-Chips “Brazos”. Diese könnten zwar in größeren Tablets eingesetzt werden, sind aber dafür noch nicht optimiert.

Immerhin: Sony hat auf der CES angekündigt, künftig Netbooks mit der jungen Fusion-CPU betreiben zu wollen und verabschiedete sich dafür von Intels Atom. Auch HP plant kleinere Laptops mit der AMD-CPU. Das sind gute Nachrichten für den Hersteller, aber AMD könnte durchaus besser aufgestellt sein und offenbar glaubt das Board, dass für AMD noch mehr drin ist. Es bleibt aber dennoch fraglich, was die wahren Gründe für Meyers Rauswurf waren und ebenso fraglich bleibt, ob es der richtige Schritt zur richtigen Zeit war.

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