HP beendet Neoview

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Jetzt ist es offiziell: Hewlett-Packard beendet mit “Neoview” ein Produkt, das Branchenbeobachter bereits tot gesagt hatten.

Marc Hurd, ehemaliger CEO von HP, ist von Teradata zu HP gekommen. Man munkelt, dass er es war, der mit Neoview versucht hat, Data Warehousing und BI-Expertise bei HP zu haben. Ein kleines Liebhaberprojekt, wie man hinter vorgehaltener Hand tuschelt.

Allerdings schien Hurd einer der wenigen zu sein, die sich bei HP um Neoview gekümmert haben. Schon die Ankündigung war verhalten. Und weil bei HP die Vertriebsmannschafft für Software-Produkte ohnehin sehr übersichtlich ist, kam Neoview nie wirklich am Markt an.

“Wir haben einige deutsche Kunden bei Neoview beraten, es gab durchaus einige Interessenten. Aber ich kenne keinen der sich dafür entschieden hätte”, erklärt Carsten Bange, Geschäftsführer des auf BI-Fragen spezialisierten Beratungshauses BARC. Experten schätzen, dass es weltweit wohl kaum hundert Installationen mit Neoview gibt. Und in Europa sind es noch weniger Anwender.

HP hatte Neoview, das 2006 auf den Markt kam, eher verhalten in die Öffentlichkeit getragen. Und noch weniger Wirbel soll jetzt mit der Aussetzung des aktiven Vertriebs gemacht werden. Unter den Pressemitteilungen hatte man in den vergangenen Tagen vergeblich nach einem Hinweis zu Neoview gesucht.

Zunächst hatte sich HP gegenüber US-Medien dazu geäußert, nachdem das Unternehmen noch im Dezember einen Bericht des Ventana-Research CEOs Mark Smith, der erklärt hatte, Neoview sei tot, dementiert hatte. Bereits vor einigen Tagen kursierten erste Berichte. Jetzt liegt silicon.de die offizielle Stellungnahme von HP vor, wo von einem Dementi keine Spur mehr zu lesen ist:

“HP hat sich entschieden, Neoview nicht mehr aktiv an neue Kunden zu vertreiben. Unsere Kunden fordern Möglichkeiten, neue Informationstypen, neue Klassen analytischer Technologien und auch neue Delivery-Modelle, um die neuen Anforderungen, die mit dem massiven Datenwachstum zusammenhängen, adressieren zu können. HP wird weiterhin mit den besten Industriepartnern zusammenarbeiten und dabei innovative Ansätze entwickeln, die sich an die Anforderungen der nächsten Generation des Marktes richten. HP wird weiterhin professionelle Services liefern, um die Kundenanforderungen nach Modernisierung und Optimisierung ihrer Informations-Strategie zu unterstützen.”

Mit dem Hinweis auf die Partner könnte HP auf die jüngst angekündigte Zusammenarbeit mit Microsoft anspielen. Bange: “HP hat schon immer das eigene Produkt mit Partnerschaften mit anderen Anbietern in Konkurrenz gestellt. HP verfolgt ja schon lange diese Strategie. Neben der Microsoft-Kooperation, gibt es ja auch zahlreiche kleinere Datenbank-Hersteller mit denen HP in diesem Bereich kooperiert. Auch als HP eine Kooperation mit Oracle über Exadata bekannt gab, stellte sich die Frage, in wie weit ist das strategisch.”

Aber vielleicht erklärt sich HPs Strategie ja auch ein Stück weit aus der Geschichte von Neoview heraus. Neoview basiert auf der Datenbank Nonstop SQL von Tandem. Dann hat Compaq Tandem gekauft und mit der Compaq-Übernahme kam auch die auf Hochverfügbarkeit ausgerichtete Datenbank zu HP. Damals war aber Tandem schon etwas in die Jahre gekommen. HP hat dann den Kern der Datenbank genommen und daraus Neoview entwickelt.

“Die Kooperationen mit Partnern hatten offenbar im Konzernen viel größeres Gewicht, so kam es zum Wettbewerb im eigenen Haus”, erklärt Bange.

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