Offline-Diktatur: Ägypten noch immer ohne Internet

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Der Mobilfunk funktioniert inzwischen wieder. Ägyptens Internet aber ist noch immer nicht erreichbar, es sei denn, man wählt sich über Modem ein. Das gesamte Wochenende über und auch montags lag die .eg-Domäne brach. Nur rund 13 Minuten soll es gedauert haben, bis Ägypten offline war. Seit Donnerstag 22.00 Uhr gibt es in dem von Unruhen geplagten Land kein Internet mehr.

Doch auch diese Aktion wird die Demonstrationen genau so wenig stoppen können, wie Kabinettsumbildung von Präsident Husni Mubarak. Seit 1981 ist der inzwischen als “Pharao” titulierte Politiker im Amt und bis Freitag wollen die Oppositionellen ihn vom Thron gestoßen haben.

Dafür wurde jetzt der Super-Dienstag ausgerufen, bei dem Millionen Menschen mit oder ohne Internet auf Straßen und Plätze strömen sollen. Die englischsprachige Ausgabe des Nachrichtenkanals Al Jazeera sieht durchaus die Möglichkeit für eine Absetzung.

Facebook und Twitter haben im Vorfeld des Blackouts eine große Rolle für die Demonstranten gespielt, die sich auf diese Weise über jüngste Entwicklungen informieren konnten.

“Dank des vollständigen Kommunikationsabbruchs finden die Proteste jetzt in einem Informationsvacuum statt”, so Ashraf Khalil von Index on Censorship. “Auch während der Demonstrationen war jeder auf Twitter, einmal um zu koordinieren und natürlich um zu wissen, was im Rest des Landes vor sich geht. Diesmal weiß niemand, was sich an anderen Stellen abspielt, noch nicht einmal auf der anderen Seite des Flusses vom Tahrir Platze.”

Wenn auch die Mobilfunkdienste in Ägypten wieder ihren Dienst tun, so war über das Wochenende auch kein Mobilfunknetz verfügbar. Inzwischen sollen laut Medienberichten die ägyptische Regierung den Internet-Providern geraten haben, sich auf die Wiederaufnahme der Dienste vorzubereiten.

Stat Ripes Monitoring-Dienst um 12.00 Mittag am 31. Januar: In Ägypten sind noch immer die Lichter aus. Screenshot: silicon.de
Stat Ripes Monitoring-Dienst um 12.00 Mittag am 31. Januar: In Ägypten sind noch immer die Lichter aus. Screenshot: silicon.de

Wie der Netzwerkmonitor von Stat Ripe zeigt, scheint sich jedoch noch nichts Nennenswertes zu tun. Ägypten ist, wenn man sich nicht über ein Modem einwählt, über das Internet derzeit nicht zu erreichen.

Es sei denn, man zählt sich zu den Kunden der Noor Group. Die ägyptische Börse ist dafür ein Besipiel. Große Provider im Land wie Etisalat Misr, Link Egypt, Vodafone/Raya und Telecom Egypt sind hingegen derzeit nicht zu erreichen.

Binnen Minuten waren die meisten Provider nicht mehr erreichbar. Quelle: Arbor Networks
Binnen Minuten waren die meisten Provider nicht mehr erreichbar. Quelle: Arbor Networks

Der Niederländer Andree Toonk unterhält eine Webseite, die sich dem Monitoring von Netzwerken verschreibt. Vor dem Ausfall waren knapp 3000 ägyptische Netzwerke erreichbar. Derzeit sind es nur 327. Seiner Ansicht nach sind 88 Prozent des ägyptischen Internets derzeit nicht erreichbar. Damit sind nicht nur die Regierungswebseite egypt.gov.eg sondern auch zum Beispiel eine Zeitung nicht erreichbar.

Dazu haben die Machthaber offenbar die Border-Gateway-Protocol-Server, die die Daten aus den IP-Netzen eines regionalen Providers an einen anderen übergeben, abgeschaltet. Das SANS-Institut berichtet, dass der externe Zugriff zur Namensauflösung der Internetadressen in der .eg-Domäne nicht möglich ist.

Inzwischen hat die ägyptische Führung auch den renommierten Nachrichtensender Al Jazeera die Lizenz entzogen und gleichzeigit einige Al Jazeera-Journalisten festgestezt. Jetzt berichten nicht mehr die Reporter des Senders von den Demonstrationen, sondern Blogger, die Berichte und Handy-Aufnahmen direkt auf dem Sender veröffentlichen. Reporter und Kamera-Leute, deren Ausrüstung von den Sicherheitskräften beschlagnahmt wurde, berichten jetzt in verschiedenen Sprachen via Handy.

“Der Internet-Ausfall in Ägypten zeigt, wie stark das Web ist, aber er zeigt eben auch die Verwundbarkeiten”, so Craig Labovitz, Chef-Wissenschaftler bei dem Sicherheitsunternehmen Arbor Networks.

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