Ist die ARM-Architektur aufzuhalten?

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Die ARM-Architektur ist auf dem Vormarsch – von einer Architektur für Geräte mit geringem Stromverbrauch über Tablets, Set-Top-Boxen und Konsolen hin zu PCs und Servern. Aber kann ARM vom Mobilfunk- bis zum Servermarkt alles abdecken? Ein Artikel von Wolfgang Schwab, Senior Advisor beim Marktforscher Experton Group.

ARM-Lizenznehmer wie Qualcomm weiten ihre Märkte vom mobilen Segment in neue Bereiche aus und nehmen die Prozessorplattform mit. Der CDMA-Riese hat sich mit dem Chip ‘Snapdragon’ bereits den Tablet- und Netbook-Markt eröffnet; gerade hat er mit der Atheros-Akquisition seine Position im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Broadcom im Segment für digitale Heimnetzwerke gestärkt – wobei Broadcom strategisch weiterhin mit seinen MIPs-basierten Breitbandgeräten und ARM-basierten mobilen Chips auf die duale Architektur setzt. Nvidia und Marvell strecken mit ihren ARM-Fähigkeiten sogar die Hand nach dem Rechenzentrum aus. Und das ist eine noch dramatischere Entwicklung: Nvidia legt seine Rechtsstreitigkeiten mit Intel bei, bleibt aber weiterhin bei ARM als Haupt-Architektur.

Auch große Software- und Web-Marktakteure unterstützen ARM, denn ihre Plattformen finden sich in immer mehr Gerätearten. Android, iOS und Symbian – alle auf ARM ausgelegt – haben dafür gesorgt, dass die mobile Welt für Windows nur schwer zugänglich ist, und das hat wiederum die alte Wintel-Allianz geschwächt. Intel hat sich auf die Suche nach anderen Betriebssystemen für seinen Atom-Prozessor begeben, und jetzt hat Microsoft Wintel den Todesstoß versetzt und für die ARM-Architektur nicht nur das Telefon und Embedded-Varianten seines Betriebssystems, sondern auch ein vollwertiges Windows-Betriebssystem zugesagt. Damit stehen der ARM-Plattform in der PC- und Server-Welt noch mehr Türen offen.

ARM und Intel x86, bei denen es noch vor ein paar Jahren kaum Überschneidungen gab, kämpfen jetzt also um die Vormachtstellung als System für die ganze Bandbreite, von der Serverfarm über das Heimnetzwerk hin zum Gadget für mobile Cloud-Dienste und dem Embedded-Endgerät mit extrem niedrigem Stromverbrauch. Beide müssen sich in den jeweils nicht angestammten Segmenten erst noch beweisen, wobei Intel in den Bereichen Energieeffizienz, Embedded-Prozessoren sowie im Rahmen des ‘System-on-a-Chip’-Programms (SoC) derzeit greifbarere Fortschritte vorweisen kann, als dies mit dem Eintritt von ARM in das Serversegment der Fall ist.

Mit geringfügigen Verbesserungen (z.B. Copy & Paste) für Windows Phone 7 (WP7) hat Microsoft die mobile Gemeinschaft auf der Consumer Electronics Show enttäuscht. Stattdessen lag der Fokus des Softwareriesen darauf, das Mainstream-Windows-Betriebssystem auf noch viel mehr Endgeräte zu bringen, unter anderem mit der ARM-Implementierung und einer Implementierung für SoC-Architekturen, die für kleinere Geräte ausschlaggebend sind.

Strategisch gesehen ist dies ein logischer Schritt, kommt aber zu einem Zeitpunkt, wo andere große Betriebssysteme auf mehr als eine Plattform gebracht werden, um die sehr unterschiedlichen Anforderungen der wachsenden Vielzahl an drahtlosen Produkten zu adressieren. Und die Microsoft-Partner im Mobilmarkt stehen wie so oft wieder einmal im Regen und warten darauf, dass sie morgen das “Zuckerle” bekommen, anstatt heute das “Brot”, das sie eigentlich wollen – nämlich die Möglichkeit, WP7 auch auf Produkten mit größeren Displays einzusetzen, beispielsweise Tablets. Derzeit bleibt ihnen nichts anderes übrig als auf Windows 8 zu warten – in dieser Hinsicht wurden jedoch weder Zeitpläne noch andere Einzelheiten zum Release bekanntgegeben.